Zur Kolumne von Robert
Sedlaczek, 14. Dezember

Wie das Wort des Jahres gewählt wird

Jetzt haben wir sie also wieder serviert bekommen! Robert Sedlaczeks Auslassung zur Wahl des Worts des Jahres, an der er nicht beteiligt ist, aber meint, alljährlich sein einsames Häufchen Ablehnung dazu abgeben zu müssen. Das sei ihm vergönnt, allerdings ist der Artikel eine Ansammlung von wahrheitswidrigen Verdrehungen und voller Vorurteile, die nicht unwidersprochen bleiben können.

Es beginnt schon mit dem ersten Satz, wenn es heißt: "Das ,Wort des Jahres 2016‘ war nicht frei erfunden, aber in gewisser Weise selbstgestrickt - das ist typisch österreichisch." Was soll das heißen? Weiter unten heißt es dann: "Während die Deutschen bei der Wahl des Wortes akribisch recherchieren, welche neuen Wörter gerade gängig sind, läuft es in Österreich andersrum: Ein Wort wird aus dem Hut gezaubert, propagiert - und wenn es gewählt ist, wird es zum gängigen Wort."

Die Fakten sind folgende: Zuerst haben alle Internetnutzer die Möglichkeit, Kandidatenwörter und -sprüche einzusenden (es waren heuer 4450), aus denen dann die Jury für alle drei Wortkategorien (Wort, Unwort, Jugendwort) jeweils 10 Kandidatenwörter auswählt, die dann in der eigentlichen Wahl gestellt werden. Das heurige Wort des Jahres war einer von insgesamt 444 Vorschlägen und eines von 10 Kandidatenwörtern. Von den insgesamt 10.198 Einsendungen entfielen 3301 auf das heurige Wort des Jahres und damit doppelt so viele wie auf das zweitgereihte.

Die "Jury zaubert nichts aus dem Hut", denn sie wählt die Kandidatenwörter aus den Einsendungen der Vorwahl aus und die Kriterien der Wahl stehen auf der Webseite. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit (allein), sondern, ob ein Wort/Ausdruck "im heurigen Jahr in Österreich wichtig, häufig, von besonderer Bedeutung und besonderer sprachlicher Qualität" ist. Es geht somit nicht primär um die Häufigkeit eines Wortes, sondern um seine Signifikanz für das öffentliche Leben Österreichs, was zweifelsohne gegeben ist, oder?

Prof. Dr. Rudolf Muhr,

Initiator und Vorsitzender der Jury zur Wahl des Worts des Jahres

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