Wer ist nicht schon aller dort gewesen? Die Griechen auf ihrem Heimweg von Troja, die Römer, die Perser, die Araber, dänische Könige und englische Kreuzfahrer: Sie alle hinterließen ihre Spuren in Paphos. Nicht zu vergessen die mythische Aphrodite, die unweit der Hafenstadt im Südwesten Zyperns dem Schaum des Meeres entstiegen sein soll. So kann der Ort, der heuer - wie Aarhus in Dänemark - Kulturhauptstadt Europas ist, auf eine reiche Geschichte verweisen, die in der Eröffnungsfeier für das Festjahr ihre Erwähnung fand. Aber auch Zeitgenössisches soll im kulturellen Programm seinen Platz haben: Konzerte, Performances, Theater sind geplant. Paphos als Kunstwerk lautet das Motto.

Jedoch werden nicht alle Inselbewohner einfach ins Auto steigen und dorthin fahren können. Das Land ist seit Jahrzehnten geteilt, die Grenze verläuft quer durch die Hauptstadt Nikosia. Im Norden, wo seit 1974 türkische Truppen stationiert sind, hat sich die Türkische Republik Nordzypern etabliert, die lediglich von Ankara anerkannt wird. Erst seit einem guten Jahrzehnt gibt es einige Übergänge, die Pendler oder Schulkinder aus dem Norden nutzen. Umgekehrt können Spielfreudige aus dem Süden in die zahlreichen Kasinos im Norden fahren.

Die Bewegungsfreiheit wird jedoch nicht allen gewährt. Obwohl die gesamte Insel mit gut einer Million Einwohnern 2004 der Europäischen Union beigetreten ist, bleibt der Norden wirtschaftlich und politisch isoliert. Das Regelwerk der EU wird dort nicht angewandt, Waren können nicht direkt von dort in andere EU-Länder exportiert werden, und Direktflüge gibt es gerade einmal in die Türkei. Den Umweg müssen die türkischen Zyprioten zwar nicht machen, weil die meisten von ihnen bereits einen EU-Pass im Süden beantragt haben und somit von jedem anderen Flughafen aus reisen können. Doch die türkischen Siedler dürfen nicht über die Grenze.

So werden die Menschen genannt, die nach 1974 auf die Insel gekommen sind. Für die Republik Zypern sind das illegale Migranten, die sich in einer besetzten Region niedergelassen haben, aus der hunderttausende griechische Zyprioten vertrieben wurden. Doch auch für die türkischen Zyprioten hat sich die Bevölkerungsstruktur geändert: Von den vielleicht 300.000 Menschen, die im Norden leben, könnte schon die Hälfte aus der Türkei stammen. Genaue Zahlen fehlen.

Der künftige Status der Siedler gehört daher ebenfalls zu den Problemen, die sich vor einer Wiedervereinigung des Landes stellen. Nicht nur Fragen der Sicherheit, der Rückkehr oder der Entschädigung der Vertriebenen müssen geklärt werden, sondern auch danach, was mit den Menschen passieren soll, die später eingewandert sind.

Der Standpunkt im Süden ist klar: Die Migranten müssen zurückgeschickt werden. Sie können nicht die gleichen Rechte haben wie türkische Zyprioten. Das aber würde sich die Regierung in Ankara wünschen.

Es ist die nächste Herausforderung in den Verhandlungen zur Lösung des Konflikts. Die Volksgruppenführer der griechischen und türkischen Zyprioten haben sich jedoch bisher auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Kommende Woche setzen sie ihre Gespräche fort.