Eine Tankstelle im Jänner 2017 irgendwo in Osttirol. Mehrere Kleinbusse halten im Halbdunkel, unbekannte Männer steigen aus den Autos und entsorgen eine ominöse Kiste in einer Mülltonne. Was auf den ersten Blick nach einer Szene aus einem Mafia-Film aussieht, soll sich tatsächlich so vor wenigen Wochen zugetragen haben. Blöd nur, dass die Typen bei ihrem Tun beobachtet wurden. Denn immerhin war das, was die Polizei in der Kiste fand, höchst verdächtig. Eine große Menge an gebrauchtem medizinischen Einwegmaterial, Einwegspritzen, Infusionen und Ampullen. Dazu Akkreditierungen für Biathlon-Veranstaltungen und eindeutige handschriftliche Aufzeichnungen, die auf einen Dopingvorgang schließen lassen.

Also offenkundiger geht es nicht. Und man muss sich fragen, was sich die Verdächtigen - offenbar Angehörige des kasachischen Biathlon-Teams - dabei gedacht haben? Schließlich hätte es auch bessere Wege gegeben, derart brisantes Beweismatieral sicher zu verräumen. Aber ausgerechnet an einer Tankstelle? Man fühlt sich unmittelbar an das Vorgehen der österreichischen Langläufer bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City (2002) und Turin (2006) erinnert, als in Quartieren des Ex-Rennsportchefs Walter Mayer Geräte zur Durchführung von Bluttransfusionen einfach vergessen wurden.

Eigentlich sollte es den Kasachen jetzt an den Kragen gehen. Dass das Team aber am Donnerstag in Hochfilzen trotz Verdachts und Hausdurchsuchung bei der Mixed Staffel an den Start gehen durfte, ist da doch befremdlich. Hat man aus der Vergangenheit gar nichts gelernt? Kasachstan mag vieles sein, aber sicher nicht "too small to make good doping". Aber noch gilt die Unschuldsvermutung.