Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Wer mit einem Visum in die USA einreist - beispielsweise aus beruflichen Gründen -, sollte schon sattelfest und prüfungsresistent in seiner Tätigkeit sein. Denn selbst bei Ausstellung eines Sichtvermerks muss man im Fall der Fälle bei der Einreise auf Nachfrage beweisen können, dass man tatsächlich der ist, für den man sich ausgibt. Stellen Sie sich also vor, Sie sind Barmann. Der amerikanische Zöllner stellt Sie auf die Probe und fragt, was man für einen "Old Fashioned" braucht. Sollten Sie eigentlich wissen; Bourbon, Angostura, Zucker, Wasser. Doch nach einem langen Flug kann die Welt der Cocktails etwas schummrig aussehen und Sie vergessen eine Zutat. Wenn Sie dann noch auf die Variante mit Rum statt mit Bourbon setzen, kann es schon einmal eng werden mit Einreise und Arbeit. So ähnlich ist es Celestine Omin vor ein paar Tagen ergangen, berichtet der Nachrichtenservice des Internet-Portals Linkedin. Der Nigerianer ist Programmierer mit sieben Jahren Berufserfahrung und hat die vergangenen sechs Monate in der Hauptstadt Lagos für die US-Firma Andela gearbeitet. Das Start-up mit prominenter Unterstützung von der Zuckerberg-Stiftung und Google Venture gibt den besten Softwareentwicklern von Afrika die Gelegenheit, für amerikanische Firmen von Microsoft bis IBM zu arbeiten, und das auch in den USA. So sollte Omin schließlich in New York für einen Finanzdienstleister eine App für aufstrebende Märkte schreiben. Also checkte er in Nigeria ein (Ja: Jeder Zweite dort ist Moslem. Nein: Das Land steht nicht auf Trumps ungültiger Einreiseverbotsliste) und begab sich auf den 24-stündigen Flug nach New York. Dort angekommen, verwickelte ihn der Beamte von der Grenzkontrolle in ein Gespräch über seine Arbeit und seine Pläne in den USA. Dabei kam er zum Schluss, dass etwas an Omins Geschichte nicht stimmte. Also wurde der 28-Jährige in einen kleinen Raum gebracht, wo die Beamten ihn nach einer Stunde auf seine Berufskenntnisse testeten. Eine Aufgabe war: "Schreiben Sie eine Funktion, mit der man prüfen kann, ob ein binärer Suchbaum ausgeglichen ist", eine andere: "Was ist eine abstrakte Klasse und warum braucht man sie." Klingt kompliziert, sollte für einen gestandenen Programmierer aber ein Klacks sein. Doch nach 24 Stunden auf engstem Raum in der Holzklasse kamen Omin die Fragen irgendwie undurchsichtig vor und so, als gebe es mangels Kontextes mehrere Antwortmöglichkeiten. Trotzdem setzte er sich mit Blatt und Stift hin und gab Antworten, die seiner Meinung nach technisch korrekt waren. "Falsch", beschied ihm hingegen der Grenzbeamte. Omin sah sich schon im nächsten Flieger nach Nigeria, doch zu seinem Glück fragte die Behörde bei der Firma Andela nach, die Omins Identität und Beruf bestätigen konnte. Omin wurde mit den Worten verabschiedet: "Ich lass dich gehen, aber auf mich wirkst du nicht überzeugend."