Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Das Magazin "Forbes" und die "Financial Times" haben Vera Songwe schon vor Jahren eine blühende Zukunft vorausgesagt. Bei beiden landete sie unter den 30 vielversprechendsten Afrikanerinnen. Die Zeitschriften sollten mit ihren Prognosen recht behalten. Vor kurzem wurde die 48-Jährige zur Chefin der Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen (ECA) ernannt. Damit steht der 1958 gegründeten Organisation erstmals nicht nur jemand aus Kamerun vor, sondern auch erstmals eine Frau. Hauptaufgabe der ECA ist es, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Afrika voranzutreiben und die regionale Integration zu verbessern. Ferner wirbt die Wirtschaftskommission für Afrika um internationale Unterstützung für die Entwicklung Afrikas. Für diese Aufgaben bringt Songwe das ideale Rüstzeug mit. Immerhin hat sie mit ihrem Team in der Weltbank erst kürzlich die Rekordsumme von 49,3 Milliarden Dollar aufgebracht, die den ärmsten Ländern der Welt als künftige Finanzierung zur Verfügung stehen werden. Überhaupt ist Songwe eine in der Wolle gegerbte Weltbankerin. Mit 30 Jahren begann sie dort als junge Akademikerin, die ihren Abschluss in Wirtschaftsmathematik an der belgischen Universität Louvain-La-Neuve gemacht hat. Bis zum heutigen Tag sollte sie der Organisation erhalten bleiben und für sie in fast allen Ländern Nord- und Mittelafrikas arbeiten, darunter als Leiterin der Weltbank in Senegal, Mauretanien und Kapverde. Nebenbei ist sie Mitglied der als liberal eingestuften Denkfabrik Brookings Institution in Washington. Dennoch tritt Songwe ein schweres Erbe an. Denn ihr Vorgänger, Carlos Lopes, gilt als jener Mann, der die ECA aus dem Dornröschenschlaf geholt hat und mit unkonventionellen Ideen und einem Fokus auf Industrialisierung Bewegung in Afrika gebracht hat. Was ist nun von Songwe zu erwarten? Die Frau, die aus dem englischsprachigen Großbürgertum Kameruns kommt, gilt als selbstsicher, fleißig und kompetent mit gesundem Realitätssinn. "70 Prozent der aktiven Bevölkerung hängt nach wie vor von der Landwirtschaft ab", sagte sie kürzlich auf einem Wirtschaftsforum über Afrika wie die Zeitung "Le Monde" berichtet. "Für jene, die nach wie vor von weniger als zwei Dollar am Tag leben, ist die Debatte über das Wirtschaftswachstum eine Illusion." An anderer Stelle sagte sie: "589 Millionen Menschen leben im Dunkeln. Du kannst keine Milch einkühlen oder Lebensmittel aufbewahren, weil wir nicht genügend Energie haben." Angesichts der zunehmenden Urbanisierung Afrikas (Studien zufolge werden 90 Prozent der afrikanischen Jugendlichen 2025 in Städten leben) müsse frühzeitig auf den Wohnungsbedarf reagiert werden, sagte sie. Ansätze, die eine Vorstellung davon gebe, wo sie plant, den Hebel anzusetzen.