Im Home of British Motor Racing, dort, wo alles begann, wo vor 67 Jahren das erste Formel-1-Rennen ausgetragen wurde, hängt wenige Tage vor dem Grand Prix in Silverstone am Sonntag (14 Uhr MESZ) der Haussegen schief. Am Mittwoch erzürnte Lokalmatador Lewis Hamilton die Fans, weil er die Show in London spritzte, über dem Wochenende hängt das Damoklesschwert eines WM-Ausstiegs, nachdem die Veranstalter eine Klausel gezogen haben, durch die sie ab 2020 nicht mehr Teil der Formel 1 sein wollen. Zu teuer, zu unwirtschaftlich sei das Rennen geworden, argumentieren die Organisatoren, für die sich die Gebühren zuletzt (vertragskonform) stets erhöht haben. Momentan liegen sie bei 18 Millionen Euro (und damit eh noch im moderaten Bereich), bis 2026 würden sie aber auf 28 Millionen steigen. Schon jetzt werden jährlich Verluste geschrieben. Dass die Veranstalter dies irgendwann nicht mehr stemmen können (oder wollen), ist verständlich und beileibe kein Silverstone-Phänomen alleine. Gibt also Liberty Media, der neue Eigentümer der Formel 1, nach, schafft er einen Präzedenzfall, der viele andere nachziehen lassen dürfte. Bleibt man hart, verliert die Formel 1 eines ihrer wichtigsten Rennen. Und reduziert man bei allen - wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung - die Gebühren, muss man erst recht neue Einnahmequellen nützen, was wiederum eine noch stärkere Abwanderung ins Bezahlfernsehen bedeuten würde. Die aktuelle Lage ist also für alle Beteiligten eine Lose-Lose-Situation, aber eine mit Ansage. Denn dass sich die vermeintliche Königsklasse mit ihrer Preistreiberei kannibalisiert, ist nichts Neues. Ändert sich nichts, werden letztlich nur jene die Gewinner sein, denen die ständige Motorenbeschallung ohnehin schon auf die Nerven geht.

Tamara Arthofer

Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.