Er sei "erledigt", sollte Angela Merkel mit der FDP koalieren. Das soll Frankreichs Präsident Emmanuel Macron laut "Le Monde" vor einigen Tagen gesagt haben. Nach der Bundestagswahl am Sonntag scheint der deutschen Kanzlerin nicht viel anderes übrig zu bleiben, als mit den Liberalen zu koalieren. Allerdings nicht wie gewünscht in einer schwarz-gelben Koalition, sondern mit den Grünen in einem von allen Beteiligten ungeliebten "Jamaika"-Bündnis. Denn die SPD wirkt nach ihrem Wahldebakel fest entschlossen, die Regierungsbank zu verlassen.

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Kommt es soweit, verliert Macron einen zentralen Partner für seine Reformvorhaben in der EU. Ein eigenes Budget für die Länder der Eurozone lehnt FDP-Chef Christian Lindner ebenso ab wie eine europäische Einlagensicherung, welche die Bankenunion vollenden soll. Und die Liberalen befürworten, Griechenland zeitweise aus der Eurozone auszuschließen. Kanzlerin Angela Merkel lässt sich zumindest in den ersten beiden Fragen alle Optionen offen. Macrons Kurs in Berlin würden statt den Sozialdemokraten künftig die Grünen am weitesten mittragen.

Bis die neue Regierung angelobt wird, ist die SPD weiterhin Teil der Regierung. Das kann länger dauern, als es der sozialdemokratischen Basis lieb ist. Denn die Koalitionsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen werden aufgrund der Unterschiede nicht nur in der Europapolitik, sondern auch bei Umwelt, Finanzen und Soziales schwierig und langwierig - und könnten platzen.

Mit der Wahl Macrons war der deutsch-französische Motor wieder angesprungen. Dieser ist unverzichtbar für Reformen in der EU und droht nun wieder ins Stottern zu geraten. Das müssen Berlin und Paris mit allen Mitteln verhindern.