Dass im Umfeld einer nationalen Sportveranstaltung Bengalen oder Mistkübel in Flammen aufgehen, kommt schon einmal vor. Aber Eintrittskarten und Trikots? Wer am Wochenende die Bilder jener aufgebrachten Football-Fans (und auch Trump-Anhänger) gesehen hat, die mit dem Feuerzeug gegen die Verunglimpfung von Fahne und Nationalhymne protestierten, mochte den Eindruck gewinnen, Amerika sei so gespalten wie seit den Tagen des Vietnamkriegs nicht mehr. Und das nur, weil ein paar Sportler dem Star-Spangled Banner nicht die gebührende Ehre erwiesen und sich, anstatt die Hand zur Brust und den Blick auf die Fahne zu werfen, einfach niederknieten, um so ein Zeichen gegen Rassismus, Polizeigewalt und Korruption zu setzen.

Nur gut, dass die Sache mit dem Nationalchoral hierzulande nicht so heiß gegessen wird wie in den USA. Während dort alles ernst in Reih’ und Glied zu stehen und zu singen hat, muss hier niemand fürs Knien, Sitzen, Popcornessen, Pfeifen oder sogar das Weglassen der "Töchter" im Text Sanktionen befürchten. Und wird einmal aus Versehen, wie geschehen bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen, die falsche (russische) Hymne abgespielt, ist auch das keine große Affäre. Dass ein russischer Sportreporter damals das Mikro an sich riss und die korrekte Version anstimmte, erwies sich als würdige wie auch witzige Lösung des Problems.

Was aber nun nicht bedeutet, die Österreicher würde ihre Hymnen nicht ehren. Die Mozartversion ist halt nur offiziell des Austro-Fans liebstes Lied. Die "echte" Hymne stammt von Rainhard Fendrich. Sitzen bleiben und Popcorn essen kommt da nicht in Frage.