Zwar ist der Wahltag erst am Sonntag, aber ein Gewinner steht bereits fest: Es ist das Privatfernsehen, das sich nun endgültig als Fixpunkt in der Innenpolitik positionieren konnte. Immerhin sahen im Durchschnitt 622.800 Zuschauer das Puls4-Duell Sebastian Kurz vs. Christian Kern und 586.700 Zuschauer jenes zwischen Kurz und Heinz-Christian Strache - Spitzenwerte von einer Dreiviertelmillion inklusive. Damit ist das heimische Privatfernsehen in Skalen vorgestoßen, die bisher dem ORF vorbehalten waren.

Sicherlich, wenn diese Woche die oben genannten Duelle im ORF laufen, werden diese ohne Frage nochmals höherer Quoten bekommen. Aber darum geht es nicht. Tatsache ist, dass der ORF zur Kenntnis nehmen muss, dass ihm in der Politik ein ebenbürtiger Gegner erwachsen ist, dessen Sendungen alle Beteiligten genauso ernst nehmen als wären sie im ORF. Dass die Sendungen durch die Zuspitzung des Wahlkampfs in der letzten Phase noch einmal ein ungeahntes Interesse hervorrufen und damit ein Quotenrekord nach dem anderen fällt, ist sozusagen nur der Bonus. Das Privatfernsehen hat sich etabliert und damit wurde in der heimischen Medienlandschaft so etwas wie ein Stück Normalität hergestellt. Normalität, mit der man in Deutschland etwa seit vielen Jahren lebt. Was die Fülle der Zweierduelle anbelangt wird man sich zwar über kurz oder lang auch im Interesse der Zuschauer die Sinnfrage stellen müssen - schließlich ist nicht jeder Wahlkampf eine Richtungsentscheidung. Aber derzeit ist offensichtlich ausreichend Bedarf und Interesse vorhanden.