450 Millionen Dollar für ein Bild. Das ist irr. Wer das noch für toll hält, überlege, was man mit 450 Millionen Dollar anfangen kann. Kunsthändler Lawrence Luhring resümierte die Leonardo-Auktion bei Christie’s, die dieses Ergebnis brachte, mit den Worten: "Es gibt einfach zu viel Geld auf der Welt." Man könnte anmerken: Vor allem gibt es zu viel billiges, nämlich zinsenloses Geld.

Es ist eine Illusion, dass es bei solchen Summen noch um Kunst geht. Ob es Immobilien- oder Kunstspekulationen sind, ist nämlich gleichgültig. Kunstwerke sind heute vor allem Wertanlagen - und zwar, neben Gold und Diamanten, die beständigsten. Denn im Gegensatz zu Gebäuden, Yachten und Autos nützen sie sich kaum wertmindernd ab, und anders als Grundstücke sind sie tranportierbar.

Es gilt für Kunstwerke auch die Regel, dass sie so viel wert sind, wie ein Käufer zu zahlen bereit ist. Damit ist der "Salvator Mundi" des Leonardo im Moment eben diese 450 Millionen Dollar wert. Ob das angemessen oder grotesk überzahlt ist, spielt keine Rolle.

Es spielt auch keine Rolle, ob das Bild den Weg zu einem betuchten Kunstliebhaber gefunden hat, der es von Zeit zu Zeit aus dem Panzerschrank nimmt, um es seinen Gästen bei Leonardo-Partys zwischen Kaviar, Gänsestopfleber und De-Watère-"Diamond Edition"-Champagner vorzuführen. Es könnte ebenso gut in die Hände eines Krösus gekommen sein, der Leonardo für das Parfüm seiner Begleiterinnen hält.

Es war einmal ein Bild von Leonardo. Jetzt ist es zum Investitionsobjekt verkommen. Das ist das eigentlich Traurige an der Sache.