Hans Hurch wäre vermutlich zufrieden. Der verstorbene Viennale-Chef hatte bereits zu Lebzeiten immer wieder über seine Nachfolge nachgedacht, ein internationaler Name sollte es sein, der nach Möglichkeit nicht im "Wiener Sumpf" zwischen Verhaberung und Gefälligkeiten feststeckt. Sondern eine Persönlichkeit, die sich auskennt in der Welt des internationalen Filmschaffens, und die auch den Mut hat, eigenwillig zu programmieren, eine Haltung zu vertreten. Hurch selbst war ein solch mutiger Programmierer, und als Österreicher war er seltsam "unverhabert" mit der Branche. Im Gegenteil: Er legte es auch gerne auf Konfrontation an.

In Wahrheit also suchte Hurch jemanden wie sich selbst, nur ohne österreichischen Pass.

Die Viennale hat nun mit der Italienerin Eva Sangiorgi eine nach allen Regeln der Kompetenz geeignet scheinende Wahl getroffen: international tätig als Festivalleiterin (in Mexiko), voller Kenntnis des Weltfilmschaffens - und als Frau in dieser Position auch gleich ein zeitgemäßes Signal für die überfällige Gleichberechtigung.

Sangiorgis Auftritt bei ihrer Präsentation in Wien ließ an ihrer Qualifikation keinerlei Zweifel, jedoch: Eine gewisse Distanziertheit war der Neo-Chefin dann doch anzumerken, ganz offensichtlich, weil ihr das Wienerische an Wien noch ziemlich fremd sein dürfte. In diesem Zusammenhang wird für Sangiorgi wohl die größte Herausforderung an ihrem neuen Job sein, trotz professioneller Arbeit und intensiver Einlernphase am Ende in Wien nicht eine Fremde zu bleiben.