Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Ein tristes Leben in Isolation und Einsamkeit. Diese Zukunft wird den Briten gerne von Europa - also dem Festland - prophezeit. Denn läuft alles nach Plan, dann verlässt die Insel Ende März 2019 die Gemeinschaft der Europäischen Union. Doch es scheint, als werde man gut gegen das Alleinsein gewappnet sein. Premierministerin Theresa May hat nämlich gerade den Posten eines "Minister for Loneliness" geschaffen, also dem Thema Einsamkeit ein eigenes Portofolio in der Regierung eingeräumt. Bekommen hat es Tracey Crouch, die damit zu einer Art Staatssekretärin für eh alles avanciert. Denn zum Aufgabenbereich der 42-Jährigen gehören derzeit schon die Themen Sport, Wetten, Lotterie und Zivilgesellschaft. Das Ganze erinnert ein wenig an das Ministerium für alberne Gänge, mit dem die Komikertruppe Monty Python seinerzeit den britischen Amtsschimmel und unnötige Behörden aufs Korn genommen hat. In diesem Fall hat die Aufgabe aber einen ernsten Hintergrund. Denn Einsamkeit ist in Großbritannien offenbar zu einem großen Problem geworden. Laut einer überparteilichen Studie fühlen sich neun Millionen Briten häufig oder immer einsam. Die britische Ärzteschaft warnt, dass die meisten praktischen Mediziner bis zu fünf Patienten am Tag haben, die lediglich bei ihnen aufkreuzen, weil sie so allein sind. Überhaupt gilt Großbritannien als das einsamste Land Europas. Dem britischen Amt für Statistik zufolge haben lediglich die Deutschen in Europa weniger Kontakt zu ihren Nachbarn, dafür aber viel mehr Freunde. Was diese betrifft, haben wiederum nur Franzosen und Dänen weniger als die Briten, haben dafür aber wieder viel mehr Kontakt mit ihren Nachbarn. Einsamkeit wiederum ist nicht nur ein rein soziales, sondern auch ein gesundheitliches Problem, wie diverse Studien belegen. Sie macht krank und kann sogar zum Tod führen. Forscher von der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah gingen sogar soweit die Schädlichkeit zu beziffern. Ihnen zufolge ist Einsamkeit genauso schädlich wie der Konsum von 15 Zigaretten am Tag oder Alkoholmissbrauch. Kein einfaches Gebiet also, mit dem da Tracey Crouch betraut wurde. Ihre Biografie klingt dafür allerdings vielversprechend. Da wäre einmal die Tatsache, dass sie eine zertifizierte Fußballtrainerin ist und wohl damit vertraut ist, wie man Gruppen zusammenschweißt oder Einzelgänger integriert. Zum anderen hat sie abseits der Politik in der Privatwirtschaft als Beraterin Erfahrung gesammelt. Als Parlamentarierin, die sie seit 2010 ist, hat sie sich wiederum im Gesundheitsbereich starkgemacht und unter anderem eine bessere Unterstützung für demente Personen oder Alkoholkranke gefordert. Scheint so, als wäre da der Deckel für den Topf gefunden worden.