Der Fall der Familie Tikaev geistert durch die heimische Medienlandschaft. Die sechsköpfige Familie ist nach sechs Jahren in Österreich abgeschoben worden. NGOs schreien auf. Freunde, Kollegen, Unterstützer steigen auf die Barrikaden. Experten sprechen von schweren Verfahrensfehlern auf Seite der Behörde. Und was macht die Behörde? Sie schweigt.

"Das Innenministerium gibt grundsätzlich keine Auskunft zu einzelnen Verfahren." Ein Satz, den Journalisten dieser Tage oft hören. Doch nicht nur das. Ihnen wird auch der Kontakt zur Familie verwehrt. Sie dürfen das Gelände des – von der Privatfirma ORS betreuten - Grundversorgungsquartiers nicht betreten. Das Personal erhält Fotos von Menschen, die auf dem Areal unerwünscht sind.

Wieso verweigert der Staat der Öffentlichkeit Auskunft? Wieso darf die Bevölkerung nicht erfahren, was die Behörde mit Asylwerbern macht? Immerhin agiert sie im Namen der Allgemeinheit. Immerhin ist das Volk ihr Auftraggeber. Es ist in etwa so, als würde man einen Installateur mit der Wartung der Therme beauftragen. Dieser wehrt sich jedoch mit Händen und Füßen, bei der Arbeit beobachtet zu werden. Er besteht sogar darauf, während der Wartung, alleine in der Wohnung zu sein. Was würde man über so einen Installateur wohl denken? Was denkt man über eine solche Behörde?

Die ureigenste Aufgabe des Journalismus ist es, der Politik auf die Finger zu schauen. Im Interesse der Allgemeinheit hat er eine überwachende Funktion. Er soll Missstände, Machtmissbrauch, Korruption aufdecken. Er soll die öffentliche Diskussion anregen. Journalismus ist dazu da, die Mächtigen zu kontrollieren und für die Schwachen einzutreten. Das ist essentiell für eine funktionierende Demokratie.

Wird ihm diese Funktion bewusst verunmöglicht, wird das Grundrecht der Informationsfreiheit mit Füßen getreten. Die Bevölkerung hat das Recht zu wissen, was der Staat in ihrem Namen tut. Er darf nicht im Stillen agieren.