Als am vergangenen Freitag bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang mit Melchoir Sánchez de Toca erstmals ein offizieller Vertreter des Vatikans in der Ehrenloge Platz nahm, war das den meisten Medien immerhin eine Erwähnung wert. Nicht weil der Kirchenstaat unerwartet doch eigene Athleten nominiert und unter dem weiß-goldenen Banner des Papstes nach Südkorea geschickt hätte. Es war vielmehr die Anwesenheit des katholischen Geistlichen an sich, die für Aufsehen sorgte, war doch der Vatikan seit seiner Anerkennung als völkerrechtlich souveräner Staat 1929 bis dahin noch nie bei Winterspielen vertreten gewesen.

Damit, dass Rom die olympische Idee vielleicht als esoterische und luziferische Götzenfeier kritisiert hätte, wie das bis heute noch einige sektiererische Bibelgemeinden tun, hatte diese Zurückhaltung freilich nichts zu tun. Nicht nur hatte die Kirche die neuzeitliche olympische Bewegung immer weitgehend positiv bewertet, sondern auch 1896 mit dem Dominikanerpater Henri-Marie Didon einen Vertreter zu den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit nach Athen entsandt, wo er der Eröffnung beiwohnte. Auf ihn geht zudem das olympische Motto "Schneller, höher, stärker" zurück. Dass die nationalen Olympia-Teams häufig von Seelsorgern begleitet wurden und werden, ist hingegen nicht neu. Im ÖOC ist seit 2014 der Zisterzienserpater Johannes Paul Chavanne für das seelische Heil der Athleten, Serviceleute, Funktionäre und Helfer verantwortlich, dabei unterstützt wird er vom steirischen Pfarrer Heimo Schäfmann, der im Österreich-Haus nicht nur sonntags die Heilige Messe liest, sondern auch in der Küche aushilft. "Ich bin eher ein praktischer Typ. Die Leute bekommen durch mich ein anderes Priesterbild", sagt der Geistliche.

Für den Vatikan als Sportler bei Olympia ins Rennen gehen könnte der Chef des Pfarrverbands Pölstal bei Judenburg nicht - selbst wenn er wollte. Dies wäre, sollte die Kirche irgendwann einmal ihre Teilnahme an Winterspielen erwägen, nur Staatsbürgern des Kirchenstaates vorbehalten - den skifahrenden Mitgliedern der Schweizer Garde zum Beispiel. Denkbar wäre auch, dass sich Spitzensportler anderer Staaten bereit erklären, für den Vatikan anzutreten. Dass es aber dazu kommt, ist unwahrscheinlich. Dies würde nämlich, heißt es aus Rom, nicht nur dem universalen Auftrag der Kirchenleitung widersprechen, sondern auch das Gebot der Überparteilichkeit verletzen. Mit anderen Worten: Es wäre wohl nicht gut fürs kirchliche Image und die Botschaft der Nächstenliebe, wenn ein Skifahrer im Vatikan-Trikot den Konkurrenten "davonsausen" würde. Um an seiner Neutralität keinen Zweifel aufkommen zu lassen, hielt sogar Papst Franziskus bei den Olympischen Sommerspielen von Rio demonstrativ der olympischen Flüchtlingsmannschaft die Daumen.

Und dennoch: ein Bischof oder eine Nonne, die ohne Verluste durch den Eiskanal oder über die Piste rasen? Das hätte doch irgendwie Charme. Genauso wie die Idee von Olympia im Vatikan. Als sich Rom für die Sommerspiele 2024 bewarb, war auch der Kirchenstaat als Ausrichter im Gespräch gewesen - mit den Bogensport-Bewerben in den vatikanischen Gärten. Kein Scherz.