Tamara Arthofer leitet das Sportressort der "Wiener Zeitung".
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Die Überraschung war eigentlich, dass es keine Überraschung gab: Als Österreichs Skisprung-Cheftrainer Heinz Kuttin seinen Kader für die Weltcup-Springen in Lahti am Samstag (16.30 Uhr/Mannschaftsbewerb) und Sonntag (15.30 Uhr/Einzel) bekanntgab, standen auf der Liste alle Namen, die auch im Olympia-Team aufgetaucht waren. Neben Clemens Leitner, der neu dazu kam, Clemens Aigner, Stefan Kraft und Michael Hayböck also auch Gregor Schlierenzauer und Manuel Fettner, die Kuttin bei den Spielen noch mit ungewohnt scharfen Worten kritisiert hatte. "Tschuldigung, aber das war nicht einmal Mittelmaß", hatte er gesagt - und nebenbei offen den Sportlern widersprochen, die von einem guten Teamgeist berichtet hatten ("Da ist vieles gespielt"). Schon einmal hatte Kuttin während der Saison versucht, seine Sportler aufzurütteln und damit die Trendwende zu schaffen - ergebnislos. Platz 13 durch Kraft im Normalschanzenbewerb, Platz sechs für Hayböck von der großen Schanze sowie ein vierter Platz im Team mit fast 100 Punkten Rückstand auf Bronze waren die magere Ausbeute von Pyeongchang. Hayböck stellte sich zwar hinter Kuttin, vor allem bei Schlierenzauer dürften dessen Worte aber nicht gut angekommen sein. Offiziell hielt er sich zurück - weil er sich "schon einmal die Finger verbrannt hatte", sagte er in Anspielung auf das Zerwürfnis mit dem damaligen Erfolgstrainer Alex Pointner nach Sotschi 2014, das letztlich zur Trennung von eben diesem führte. Natürlich müssen sich die Sportler hinterfragen. Doch indem Kuttin ihnen nun öffentlich Druck machte, erhöhte er auch jenen auf sich selbst.