Eddie Woo ist ein Held. Buchstäblich. Die australische Regierungsorganisation National Australia Day Council hat ihn mit dem Titel "Held des Jahres 2018" ausgezeichnet. Nun könnte man meinen, Woo habe Leben gerettet, oder - archaischer - auf anerkannte Weise welche ausgelöscht. Doch das ist weit gefehlt. Denn Eddie Woo unterrichtet Mathematik. Damit begeistert er allerdings ein Millionenpublikum und sorgt dafür, dass das, was für viele das Horrorfach schlechthin ist, flächendeckend auf Verständnis trifft. Denn Woo lehrt nicht nur an der Cherrybrook Technology High School bei Sydney. Er stellt Videos seines Unterrichts auch auf YouTube ins Internet. 230.000 Menschen aus mehr als 20 Ländern haben seinen Kanal bereits abonniert. Mehr als
13 Millionen haben seine Videos gesehen. "Viele Menschen haben Angst vor Mathematik", weiß Woo. Allerdings liegt das seiner Meinung nach an einem falschen Unterricht. Als Schüler, erzählt Woo, habe er selbst mit Mathematik gekämpft. Woo vergleicht Mathematik mit Musikunterricht. Als Kind habe er knapp zwei Jahre lang Gitarre gelernt und es gehasst. Er habe Tonleitern gespielt und Musiktheorie gelernt. Als er endlich aufhören konnte, war er froh. Erst mit 17 Jahren griff er wieder zur Gitarre, weil er ein bestimmtes Lied spielen wollte. Und siehe da: Auf einmal machte das Gitarrenspielen Spaß. Diese gewonnene Erfahrung baut der 32-Jährige in seinen Unterricht ein. Er flicht Kartentricks oder alltägliche Probleme ein und ist nicht zufrieden, bevor er nicht auch dem letzten Schüler das Thema verständlich gemacht hat.

Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Der Beginn seines Online-Unterrichts war übrigens nicht die Berufung zu einem globalen Bildungsauftrag. 2012 erkrankte einer seiner Schüler an Krebs und konnte dem Unterricht nicht mehr folgen. Eddie Woo filmte daraufhin die Mathematikstunden für ihn und stellte sie ins Netz. Schon bald begannen sich auch andere Schüler, Eltern und Lehrer seine Videos anzusehen. Seine Fangemeinde wuchs und war bald über die ganze Welt verstreut, auch bis nach China, woher seine Großeltern stammen. Während der Weltkriege waren sie nach Malaysia geflohen. Dort wurden Eddies Eltern geboren, die dann wiederum nach Australien auswanderten, wo er selbst zur Welt kam.

Eddie Woo. - © wz/youtube
Eddie Woo. - © wz/youtube

Mathematik kann nicht nur Spaß machen, sondern ist auch wichtig für die politische Bildung, ist Woo überzeugt. "Wir hatten gerade große Wahlergebnisse, die direkt vom mathematischen Analphabetismus herrühren, weil die Leute nicht die mathematischen Mittel haben, um die Statistiken zu verstehen, die ihnen vorgelegt werden", sagte er der australischen Tageszeitung "Sydney Morning Herald". Die Folge davon seien der Brexit und die Wahl Trumps zum US-Präsidenten.