Peter Kolba ist nicht zu beneiden. Als Klubobmann der Liste Pilz nach dem Stolpern des Gründers sozusagen die Aufräumbrigade der Partei, war der langjährige Verbraucherschützer zuletzt nicht mit Glück gesegnet. Doch was sich der Jurist nun geleistet hat, sorgte am Osterwochenende für empörte Schnappatmung in der Österreich-Sektion der Neigungsgruppe Twitter. Kolba blockierte in einem Anfall von österlichem Unfrieden eine ganze Reihe von "Influencern" auf Twitter, darunter etliche Journalisten und politische Gegner. Kolba selbst sprach von "Osterputz"- er sei froh, gewisse Shitstormer nicht mehr lesen zu müssen: "Diese seltsame Koalition aus konservativen Leitmedien, Gender-Aktivistinnen und erfolglosen Empörungs-Antifaschisten mag in ihrer Blase agitieren. Viel Spaß dabei."

Mehr hat der Mann nicht gebraucht. Tenor: Kolba sei kein Demokrat, wenn er sich nicht dazu verpflichtet fühle, sich die verbalen Standpauken durch die Elite des Landes anzuhören. Das sagt freilich mehr über das Selbstverständnis der Twitter-User aus als über Kolba, über dessen Geschick man tatsächlich geteilter Meinung sein kann. Jenen, die glauben, das Twitter-Geplänkel von den immer selben hundert Aktivisten habe auch nur die leiseste Relevanz für die Menschen in diesem Land, sei zu ihrem robusten Ego gratuliert. Das Verwenden einer US-App mit unklarer Eigen-Agenda als Indikator für demokratische Reife zu sehen, ist freilich in Zeiten des Facebook-Bashings an Ironie fast nicht mehr zu überbieten.