Du bist, was du trägst - Mode gilt als ein relevanter Gradmesser für die soziale, politische und sonstige Verfasstheit des Trägers oder der Trägerin. Und auch der ganzer Gesellschaften. Kleider machen nicht nur Leute, sie sind auch Spiegel des Zeitgeistes.

In Saudi-Arabien etwa. Dort findet gerade die Riyadh Arab Fashion Week statt - die erste Haute-Couture-Präsentation des konservativen Königreiches. Vertreten sind bekannte saudische und auch europäische Modeschöpfer wie Jean Paul Gaultier und Roberto Cavalli. Die internationale Presse ist begeistert, spricht von einem Symbol für die historischen Umwälzungen Saudi-Arabiens. Durchaus zurecht, hatte Kronprinz Mohammed bin Salman erst kürzlich verkündet, Frauen selbst entscheiden lassen zu wollen, wie sie die Vorschrift der respektvollen Kleidung auslegen möchten - mit oder ohne Abaja, dem derzeit obligatorischen schwarzen Mantel, unter dem saudische Frauen längst der modischen Extravaganz frönen.

Doch an der glamourösen Modeschau lässt sich auch die Ambivalenz des saudischen Reformprozesses studieren. Nach der feierlichen Eröffnung im Ritz Carlton sind bei der Schau selbst ausschließlich Frauen zugelassen. Der männliche Blick ist auch in Form von Kameras ausgeschlossen. Die Entscheidung für diese bauliche Verhüllung haben wohl nicht die Frauen getroffen. Die dürfen dafür ab Juni offiziell Auto fahren. Es könnte also gut sein, dass der Fahrtwind dann den einen oder anderen Schleier unversehens einfach wegweht.