Man hat Dominic Thiem schon enttäuschter gesehen. Dabei war die Niederlage gegen Alexander Zverev im Finale des Masters-1000-Turniers von Madrid noch deutlicher, als es das 4:6, 4:6 ausdrückt. Thiem kam nie ins Spiel, hatte nicht einmal einen Breakball gegen den um drei Jahre jüngeren Deutschen. Und dennoch sagte er danach: "Diese Woche war sehr wichtig. Ich habe mein Selbstvertrauen zurückbekommen, auch wenn ich am Ende verloren habe." Er nehme jedenfalls "mehr Gutes als Schlechtes" mit, sagte er - und hatte absolut recht damit. Denn tatsächlich sollte Madrid mehr Anlass zur Motivation als zur Sorge geben. Während Zverev erst einmal mit dem Druck, als mutmaßlich erster Herausforderer von Sandplatzkönig Rafael Nadal zu den French Open in Paris zu fahren, wird umgehen müssen - seine bisherigen Grand-Slam-Auftritte verliefen nicht gerade berauschend -, kann Thiem ebendort befreit aufspielen. Mit dem Wissen, das Zeug zu haben, jeden zu schlagen. Das hat nicht zuletzt Madrid gezeigt, wo so ziemlich alles dabei war: Arbeitssiege, ein fulminanter Triumph über Nadal, tags darauf das mental so wichtige Halten der Spannung gegen seinen bisherigen Angstgegner Kevin Anderson und ein Sieg, der deswegen mindestens so hoch einzuschätzen ist wie jener über Nadal. Auch wenn es gegen einen in Hochform agierenden Zverev nicht gereicht hat, hat Thiem alles, was es braucht, um künftig um die ganz großen Titel mitzuspielen - außer vielleicht (noch) dem Wichtigsten: der Konstanz bei den Big Points.