Tamara Arthofer leitet das Sportressort der "Wiener Zeitung".
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Mit der Geschichte des Marco Trungelliti haben die French Open ihr erstes Märchen geschrieben: Der bis dahin kaum bekannte Argentinier, 28 Jahre alt, tingelt für gewöhnlich auf Challenger-Ebene herum, in der Weltrangliste war er nie unter den Top 100, seine bisher besten Major-Resultate waren die zweite Runde in Melbourne 2016 sowie in Paris im selben und im vergangenen Jahr. Diesmal schon in der Qualifikation ausgeschieden und abgereist, erfuhr er zurück in seiner Wahlheimat Barcelona am Sonntag, dass er als Lucky Loser doch in den Hauptbewerb gerutscht war. Etliche andere hatten kurzfristig abgesagt oder waren als Lucky Loser gerade nicht verfügbar. Nach fünf Minuten Kofferpacken setzte er sich mit der ganzen Familie samt der 88-jährigen Oma ins Auto, fuhr die 1000 Kilometer nach Paris zurück, postete Zwischenstände des Trungelliti’schen Roadtrips und checkte nachts im Hotel ein. Mit wenig Schlaf, aber umso größerer Vorfreude stand er am Montag Mittag auf dem Platz - und besiegte den früheren Top-20-Spieler Bernard Tomic. Trungellitis Reise geht gegen Marco Cecchinato weiter, ein Star ist er jetzt schon. Geschichten, die dem hochprofessionalisierten Sport eine menschliche Note geben, mag man eben. Und abgesehen von seinem persönlichen Erfolgserlebnis hat er jenen unzähligen Namenlosen ein Gesicht gegeben, die Woche für Woche mit geringen Mitteln und großem Ehrgeiz von Turnier zu Turnier tingeln. Manchmal machen sich die Mühen sogar bezahlt.