Dass körperliche Ertüchtigung nicht nur ein physischer Gesundheitsfaktor ist, sondern auch zur Psychohygiene beiträgt, wussten Athleten aller Könnerstufen bereits im Altertum. Auf dem aktuellen Gipfel der Leistungsgesellschaft ist körperliche Fitness längst auch zum selbstverständlich mitgemeinten Teil geistiger Hochleistungsfähigkeit geworden. Sich einfach nur zu ertüchtigen, reicht heute längst nicht mehr. Kann ja jeder. Auch Sport soll eine Portion Mehrwert mit sich bringen, erstaunlicher- und idealerweise einen kollektiven. Jüngster Trend ist hier das aus Skandinavien gerade erst zu uns herüberschwappende Plogging - zusammengesetzt aus Jogging und "plocka upp", Schwedisch für aufheben. Das Konzept ist einfach: Man nehme auf die Laufrunde ein Sackerl mit und sammle am Boden liegenden Müll ein. Geht auch wunderbar in der Gruppe. Und macht Laufen durch Bücken zum Ganzkörpertraining.

Plogging vereint alles, was der digitale Medienmensch für seine mehr oder weniger sorgsam inszenierte und großzügig zur Schau gestellte Achtsamkeitsrituale braucht: gemeinsam verübter Sport gepaart mit einer ökologischen Aktion, die sich in ihrer Dokumentation wunderbar für Soziale Medien eignet. Training, das auch etwas für das schlechte Gewissen der Wegwerfgesellschaft leistet, also moralischen Mehrwert zu bieten hat - quasi innere und äußere Aufgeräumtheit. Deutlich sinnvoller als vor ein paar Jahren eifrig betriebene "Sich-irgendwo-Hinlegen-Spiel" Planking. Aber bei weitem nicht so lustig.