Es ist eine Pointe, wie sie nur das Leben schreiben kann. Oder ein Western mit Clint Eastwood, der auf das finale Duell hinsteuert. Veronica Kaup-Hasler wollte die Wiener Festwochen übernehmen. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny beauftragte aber Tomas Zierhofer-Kin mit deren Leitung. Nun sitzt Kaup-Hasler auf Mailath-Pokornys Sessel. Ihre erste Personalentscheidung als Stadträtin: die sofortige Vertragsauflösung mit Tomas Zierhofer-Kin.

Dass es sich dabei aber um alles andere als einen Racheakt handelt, können tausende Besucherinnen und Besucher bezeugen, die die Festwochen diesen und vergangenen Frühling besucht haben: Zierhofer-Kins Neustart erwies sich als veritable Bruchlandung. Eine schräge Einladungspolitik gepaart mit Kunst, die sich gekonnt hinter verbalem Stacheldraht vor dem Publikum verschanzte. Die künstlerische Bilanz erwies sich als ebenso mager wie die finanzielle - auch wenn man heuer besser scheiterte als 2017.

Sie trifft schnelle Entscheidungen, hat Kaup-Hasler in ihrem Antrittsinterview am Samstag gesagt. Den Mut, diese klaffende Lücke aufzutun und bei den Festwochen gleich die Reißleine zu ziehen, haben ihr nur die wenigsten zugetraut. Dass die Trennung von Zierhofer-Kin einvernehmlich erfolgte, zeigt, dass auch er keine Perspektive mehr hatte, das Ruder noch auf Erfolgskurs umzulegen. Was Kaup-Hasler nun vorhat: darüber nachdenken, was die Festwochen leisten sollen. Sich Zeit dafür nehmen. Und dann eine schnelle Entscheidung treffen. Hoffentlich eine ebenso treffsichere.