"Lassen Sie mir den Kuhn in Ruhe." Diesen Wunsch, den Hans Peter Haselsteiner im Frühjahr geäußert hat, wird man dem Präsident der Festspiele Erl nicht erfüllen können. Haselsteiner wollte nichts mehr hören von den Vorwürfen über "modernes Sklaventum" und sexuelle Belästigung, die der Blogger Markus Wilhelm über Festivalleiter Gustav Kuhn veröffentlicht hatte. Damals sagte Haselsteiner auch, normalerweise würde man anonyme Vorwürfe ohnehin im Papierkorb entsorgen.

Nun sind die Vorwürfe aber nicht mehr anonym. In einem offenen Brief haben sich fünf Künstlerinnen zu Wort gemeldet, die von drastischen Übergriffen Kuhns berichten: Da ist unter anderem die Rede von "unerwünschtem Küssen auf den Mund oder auf die Brust, Begrapschen unter dem Pullover, Griff zwischen die Beine etc., von obszöner verbaler Anmache ganz zu schweigen."

Juristisch steht Aussage gegen Aussage. Klar ist aber schon, dass die Festspiele Erl in der Angelegenheit von feinfühligem Krisenmanagement - trotz Einführung einer Ombudsfrau und eines "Code of Conduct" - weit entfernt waren. Der Umgang mit der Causa war es auch, der die Frauen nun zum Schritt aus der Anonymität motiviert hat. Und vielleicht auch die gar flapsigen Worte Haselsteiners über Kuhn bei der Eröffnung Anfang Juli: "Er macht - hoffentlich zum Ärger des Bloggers - noch immer keinen Hehl daraus, welche Vorlieben er hat. Und Wein, Weib und Gesang ist etwas, was wir gut nachvollziehen können."