Vielleicht war sie ja grantig, weil keiner ihr zum Geburtstag gratuliert hat. Immerhin war es ja ihr 60er. Und sie hat ja wohl auf allen verfügbaren Sozialen und sonstigen Medien oft genug darauf hingewiesen, dass sie jetzt diesen verdammten Geburtstag hat, Bitches. Vielleicht war ja bei den MTV Video Music Awards sogar eine Würdigung Madonnas zu ihrem Jubelfest geplant- aber dann starb Aretha Franklin. Und man musste sich etwas einfallen lassen: Ist eh schon die Madonna da, soll sie doch die Hommage an die verstorbene Soulgigantin übernehmen. Und so stellte sich Madonna in ihrem neuesten Modefaible Berberkostümierung hin und erzählte, wie ihr ein Lied von Aretha Franklin einmal ein Vorsingen gerettet hat. Fünf Minuten warteten die Zuschauer darauf, dass die Eloge sich irgendwann um die Verblichene drehen würde, doch Madonna blieb bei ihrem Lieblingsthema: sich selbst. So verführerisch es ist, Madonna vorzuwerfen, dass sie ihr enormes Ego nie zügeln kann; es wäre doch unfair. Bei ihrer "Trauerrede" auf Michael Jackson bei einem ähnlichen MTV-Event schaffte sie es durchaus berührend, Ehrerbietung mit persönlichen Anekdoten im richtigen Mischverhältnis zu kredenzen. Die Verantwortung für diesen Verhau von Reverenz liegt bei den MTV-Verantwortlichen. Es ist kein Argument, dass zu wenig Zeit war, um einen adäquaten Nachruf auf die Beine zu stellen. Das haben US-Late-Night-Shows mit aktuellen Popstars sogar noch am Tag des Ablebens von Aretha Franklin geschafft.