Geht es nach dem deutschen Feuilleton, kommen die Ruhrtriennale und ihre Intendantin Stefanie Carp nicht zur Ruhe. Hintergrund ist deren Schlingerkurs, erst eine israelkritische Band ein-, dann aus-, dann wieder eingeladen zu haben. Mit einer Podiumsdiskussion wollte Carp dem Streit um ihre Person die Spitzen abbrechen - mit wenig Erfolg.

Die Auseinandersetzungen beißen sich nach wie vor am Pro- und Kontra-BDS fest. BDS ist eine anti-israelische Kampagne, die zum Boykott von Waren aus Israel aufruft. "Kauft nichts Israelisches" - wie weit ist das entfernt von "Kauft nicht bei Juden"? Es ist verständlich, dass diese Kampagne auch jenen Grausbirnen verursacht, die Benjamin Netanjahus Politik wenig abgewinnen können.

Carp will indessen lieber nicht über BDS diskutieren, sondern die konkrete Sache mit dem allgemeinen Dauerthema, der Freiheit der Kunst, verwässern. Die Frage aber ist auch und gerade im Fall der Künstler, die die BDS-Kampagne mittragen, wer diese Freiheit der Kunst definieren soll. Welche Ansichten müssen toleriert werden? Anti-israelische offenbar - aber auch anti-palästinensische? Oder hat Israel von vorneherein einen Malus?

Was jetzt an der Ruhr geschehen wird? - Gar nichts. Solche Diskussionen sind Strohfeuer, mit denen der Verursacher stets Aufmerksamkeit gewinnt. Dass die Unterscheidung zwischen Kritik an der israelischen Regierung und Antisemitismus als Marketing-Aufreger weiterköchelt, ist freilich der eigentliche Tiefpunkt der Angelegenheit.