Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung".
Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung".

Schulanfang heißt Klassenforum, man bespricht das Schuljahr, neue Lehrerinnen stellen sich vor. Auch die für Religion touren an so einem Abend im September von Klasse zu Klasse, drei bis vier verschiedene sind es an einer durchschnittlichen Wiener Volksschule. Alles sehr spielerisch bei uns, erklären sie ihr Konzept, werben gegen Abmeldungen und um die große Gruppe der Kinder ohne offizielles Bekenntnis. Die sind mitunter klar in der Überzahl. Ein, zwei Anmeldeformulare für römisch-katholischen und evangelischen Unterricht wechseln den Besitzer, die meisten Eltern lächeln freundlich bis milde, andere schauen betreten. Zusätzlich überlege sie, ein weiteres Fach anzubieten, sagt die für die Evangelen zuständige Pädagogin: Philosophieren mit Kindern. Elternohren spitzen sich. Ob es da Interesse gäbe? Sie würde mit den Kindern spielerisch Fragen von Ethik und Verantwortung, Wahrheit und Glauben mit den Kindern erörtern. Ganz allgemein, philosophisch eben - und alle Weltreligionen streifend. Es sei noch fraglich, ob es dafür ein Stundenkontingent gäbe, man erhebe derzeit die Nachfrage. Wo man sich melden könne, fragen gleich mehrere. Schließlich bekunden zwei Drittel der Eltern ihr Interesse.

Es bleibt abzuwarten, was früher passiert: dass ein überfälliges Unterrichtsfach auf den Lehrplan kommt. Oder dass Lehrer und Eltern sich selbst organisieren - um in Fragen, die unser Zusammenleben maßgeblich prägen, schon früh den Dialog aufzuzeigen, anstatt dabei schon Kinder voneinander abzuschotten.