Eva Zelechowski ist Online-Redakteurin der Wiener Zeitung. - © Christian Lendl
Eva Zelechowski ist Online-Redakteurin der Wiener Zeitung. - © Christian Lendl

In dieser Woche erlebte Austrotwitter wieder ein kleines Beben. Anders als sonst empörte sich die österreichische Twitter-Community diesmal nicht, sondern jubilierte. Eine Daumendrück-Aktion für den 16-jährigen Schüler Maximilian am Tag seiner Latein-Wiederholungsprüfung schlug größere Wellen als erwartet. Ohne dass er es selbst initiierte. Aber das Internet hat bekanntlich seine eigene Dynamik.

Der Support-Hashtag #VeniVidiMaxi führte innerhalb weniger Stunden die österreichischen TrendingTopics an. Virale Phänomene wie diese kommen vor allem als Shitstorms vor, also als Gegenteil eines Solidaritätssturms. Dieses Mal sollte es anders, positiv, sein. Dann die frohe Botschaft: Er hat es geschafft! Unter den hunderten Gratulanten waren Bundespräsident Alexander Van der Bellen (per Tweet) und ORF-ZiB2-Anchorman Armin Wolf, der den Zusehern im Abspann der Nachrichtensendung schon öfter Internet-Phänomene als Schlussgag präsentierte und diesmal dem jungen Mann zur bestandenen Prüfung gratulierte.

Nun fragten sich einige User: Warum wurde das kollektive Daumendrücken für einen Schüler so aufgebauscht? Wieso ist dieses Ereignis überhaupt relevant?

Wann etwas eskaliert - positiv oder negativ - kann man nicht planen. Es passiert. Weil der aufgeweckte Bursche ein Sympathieträger ist möglicherweise. Schlau, witzig und nett. Er lernt den Sommer über und holt sich abseits seines privaten Umfelds dort Motivation und Unterstützung, wo andere vor ihm schon das Gleiche taten. Beim Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören etwa. Ein Beispiel: #Klenkschafftdas. Florian Klenk ist Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins "Der Falter" und wählte das Internet mit seinem gewaltigen Interaktionspotenzial, um sich von Freunden, Kollegen und ihm wohl gesinnten Usern Unterstützung in Form von Faves (Herzchen) zu holen. Rauchen ist ungesund. Also faven wir. Heute hat es Klenk geschafft. Seit mehr als sechs Jahren ist er rauchfrei. Gratulation!
Ähnlich war vielleicht der Motivations-Gedanke bei dem Schüler. Gemeinsames Hoffen auf ein positives Ergebnis bewegt die Netz-Community. So wäre etwa die Relevanz für eine solche "positive Eskalation" zu erklären. Im Internet dominieren jedoch Hasspostings, Fake News, negative Nachrichten. Wie viel Zeit wenden wir dafür auf, uns digital zu empören und wie oft blicken wir freudestrahlend auf das Display? Das Verhältnis ist unausgewogen.