Michael Schmölzer ist Redakteur des Ressorts Europa & Welt. - © WZ
Michael Schmölzer ist Redakteur des Ressorts Europa & Welt. - © WZ

Ist der Plastikmüll einmal ins Meer gelangt, ist es zu spät. Das zeigen deutlich die Probleme, mit denen das Projekt "The Ocean Cleanup" kämpft. Das System zur Säuberung des Pazifiks funktioniert, zwei Monate nach dem Start, immer noch nicht. Es handelt sich bei dem Riesenstaubsauger um eine 600 Meter lange Röhre in U-Form, an der ein drei Meter langer Vorhang befestigt ist, der den Plastikmüll in dem U festhalten soll. Aber: Das System fängt das Plastik zwar ein, kann es jedoch nicht halten.

Und auch wenn die private Sammelaktion eines Tages funktionieren sollte, ist sie wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So wird kaum verhindert, dass immer öfter Unmengen an Plastiksackerln in den Mägen von verendeten Meerestieren gefunden werden.

Die Wahrheit lautet: Wenn wir unsere Konsumgewohnheiten nicht grundlegend ändern, ersticken wir am Plastik genauso, wie wir drauf und dran sind, unseren Planeten durch CO2-Emissionen schrittweise in eine Gluthölle zu verwandeln. Um die Sache an der Wurzel zu packen, muss die Entstehung von Plastikmüll verhindert werden. Die EU hat beschlossen, Plastikprodukte zu verbieten, für die es bereits nachhaltigere Alternativen gibt. Künftig werden wir also ohne die gewohnten Wattestäbchen, Plastikteller und -bestecke, Trinkhalme und Luftballonstäbe auskommen müssen. Plastikbecher und Lebensmittelverpackungen wird es weiter geben, aber in geringerem Ausmaß.

Dass man sich auf die Regulierungen einigen konnte, ist gut. Es zeigt, dass die EU in diesem wichtigen Punkt handlungsfähig ist. Dass die chemische Industrie die Neuregelung kritisieren würde, war vorhersehbar. Das Argument lautet, das neue Gesetz schieße am Ziel vorbei, weil Europa und Nordamerika nur einen geringen Anteil am Meeresmüll produzieren. Aber wer, wenn nicht Europa, sollte mit gutem Beispiel vorangehen?

In Österreich hat sich hier in den vergangenen Jahren einiges getan. Ein Beispiel: Beim City Triathlon auf der Wiener Donauinsel ist "Littering", also das achtlose Wegwerfen von Plastikmüll in der Natur, ein Grund für unwiderrufliche Disqualifikation. Einen möglichen Weg in eine Zukunft mit weniger Müll weisen auch jene Geschäfte, die ihre Ware gänzlich unverpackt anbieten. Der Kunde geht, wie zu Großmutters Zeiten, mit einem Reindl ins Geschäft, die Ware wird dort abgewogen.

Die neue EU-Richtlinie ist jedenfalls auch ein Anstoß, eine achtlose Wegwerfkultur kritisch zu hinterfragen. Das Leben wird dadurch vielleicht auf den ersten Blick komplizierter, der Umgang mit den Dingen des Alltags aber bewusster. Und die - nicht nur - von Kindern geliebten Gummi-Luftballons sollen ohnehin weiter erlaubt sein.