Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".
Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Am Dienstag hat der Europäische Gerichtshof aufgrund einer Klage entschieden, dass der bezahlte Feiertag zu Karfreitag nicht nur einzelnen Religionsgruppen zugestanden werden darf. Die Regierung muss nun bis zum nächsten Karfreitag am 19. April entscheiden, wie sie diese Ungleichbehandlung beendet.

Eine Woche vor dem Start der Arbeiterkammer-Wahlen ist für die Gewerkschafter klar, dass die Lösung nur darin bestehen kann, dass der Karfreitag für alle Arbeitnehmer zum Feiertag wird. Überraschenderweise sehen das die Arbeitgeber exakt umgekehrt.

Zu den Fakten: Bei der Anzahl der gesetzlichen Feiertage liegt Österreich mit 13 (11 katholische und zwei säkulare) im Spitzenfeld der Europas; die Schweiz findet mit vier das Auslangen, Deutschland mit neun; Spitzenreiter ist hier die Slowakei mit 15. Dafür haben unsere Nachbarn aber nur einen gesetzlichen Anspruch auf 20 Urlaubstage, während es in Österreich 25 sind. Bricht man die Arbeitsleistung der Vollzeitbeschäftigten (inklusive Überstunden) auf Wochenstunden herunter, liegt Österreich mit im Schnitt 41,4 EU-weit auf Platz drei.

Diese Zahlen weisen den Wohlstand des Landes als Ergebnis harter Arbeit aus. Warum also nicht einfach einen weiteren Feiertag zum Ausgleich hinzufügen, wie es die SPÖ-Fraktion in den Arbeiterkammern nun fordern? Das würde den Faktor Arbeit weiter verteuern, und eigentlich sind sich alle einig, dass Arbeit entlastet gehört.

Viel spricht angesichts der Zahl katholischer Feiertage dafür, den Karfreitag für alle freizuhalten und im Gegenzug einen anderen kirchlichen Festtag zu streichen. Nur welchen? Die damit einhergehenden langen Wochenenden sind den Touristikern allerdings lieb und teuer. Und von den anderen Religionen im zunehmend bunter werdenden Österreich ist da noch gar keine Rede.

Anders gesagt: Die Regierung muss jetzt schnell, nämlich bis zum 19. April, eine Lösung finden für ein Thema, mit dem man sich sehr viel grundsätzlicher beschäftigen müsste. Der große Trend geht beim Arbeiten in Richtung Flexibilisierung. Das entspricht nicht nur dem Bedarf der Wirtschaft, sondern auch den sich über ein Arbeitsleben verändernden Bedürfnissen der Menschen. Phasen der Hochleistung wechseln da mit Zeiten geringerer Arbeitsintensität, sei es aus gesundheitlichen, familiären oder sonstigen Gründen.

Die Ermöglichung eines 12-Stunden-Arbeitstags ist nur ein Aspekt von mehreren. Doch für einen großen Wurf bräuchte es ein Miteinander von Regierung und Sozialpartnern. Davon kann derzeit keine Rede sein. Also ist mit Blick auf den Karfreitag mit einer Detailreparatur zu rechnen. Die große Debatte samt pragmatischer Lösungen muss warten.