Will ich einer Regierung angehören? Oder will ich meinen Block dominieren? Das ist die Frage, die derzeit die Parteivorsitzenden in Spanien beschäftigt. Dort wird es bei den Wahlen am Sonntag gemäß allen Berechnungen zu einer Patt-Situation zwischen Links und Rechts kommen.

Das ist das eine. Das andere ist, wer hüben wie drüben Erster sein darf.

Links ist es ganz klar der sozialistische Premier.

Dass sich Pedro Sánchez so gut im Amt halten würde, hätte wohl auch sein eingefleischtester Fanclub nicht gedacht. Doch der gewiefte Politiker, der die Konservativen 2018 per Misstrauensvotum aus der Regierung hebelte, hat es seither geschafft, dass seine Partei in Umfragen strahlender Erster ist - und dies, obwohl der PSOE bei den Wahlen 2016 mit Hängen und Würgen gerade noch den zweiten Platz erringen konnte. Die Linkspopulisten Podemos, die lange an der linken Wählerbasis genagt haben, sind nun unter "ferner liefen" zu suchen.

Sánchez ist unkonventionell an die Macht gekommen und hat ein halbes Jahr später Neuwahlen ausrufen müssen. Jetzt wirkt er staatsmännisch. Dabei helfen ihm seine Gegner auf der rechten Seite des Spektrums. Bei beiden TV-Duellen dieser Woche staunten Zuseher und Sánchez gleichermaßen, wie die Spitzenkandidaten der konservativen Parteien - Volkspartei PP und bürgerliche Ciudadanos - einander regelrecht an die Gurgel gingen.

Im Regelfall wäre der PP ein Kandidat für den ersten oder zweiten Platz bei den Wahlen. Doch heuer ist das nicht mehr ausgemacht. Denn Albert Rivera, seit 2006 Vorsitzender der Ciudadanos, hat Lunte gerochen. Er will seine ehemals liberale Kleinpartei als große Alternative im konservativen Sektor verankern und den PP damit überflügeln. Rivera hat seine Positionen nach rechts adjustiert. Er hat keine Scheu mehr vor den Rechtspopulisten Vox, die als dritte Rechts-Partei in das Parlament einziehen werden und in Andalusien die Regierung zwischen PP und Ciudadanos stützen.

Und Rivera hat in einem waghalsigen Schritt eine Koalition mit den Sozialisten kategorisch ausgeschlossen. Das Signal: Seine Partei ist kein Königsmacher, sondern stellt selbst den Anspruch auf den Thron.

Riveras Angriffslust ihm gegenüber hat den PP-Vorsitzenden Pablo Casado bei den TV-Debatten kalt erwischt. Vielleicht ist das der Unerfahrenheit Casados geschuldet: Er ist erst seit einem halben Jahr an der PP-Spitze. Denn der PP hat sich bei einer internen Wahl überraschend gegen die logische Nachfolge, die langjährige Vize-Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría, entschieden - zugunsten Casados. Damit werden in Spanien auch im Jahr 2019 alle Parteien von Männern angeführt.