Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ
Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ

Die am Mittwoch für die Eurozone veröffentlichten Wachstumszahlen sind nicht berauschend: 0,2 Prozent Wachstum im zweiten Quartal (im ersten Quartal waren es noch 0,4 Prozent). Die Zahlen der Statistikbehörde der EU-Kommission Eurostat bestätigen damit, dass sich das Wachstum im Frühjahr merklich eingebremst hat. Der Grund: Die globale Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aus Europa hat nachgelassen, weil sich die Konjunktur weltweit eingetrübt hat.

Also richtet sich der Blick der Wirtschaftskapitäne einmal mehr hoffnungsvoll auf die Europäische Zentralbank (EZB). Am 12. September wird die EZB mitteilen, welche Maßnahmen noch im Köcher stecken. Seit einiger Zeit schon wird über weitere Zinssenkungen und Anleihenkäufe im Rahmen des Quantitative Easing Programms (dabei geht es mittlerweile insgesamt um 2,6 Billionen Euro, die die EZB seit Anfang 2015 in die Märkte gepumpt hat) diskutiert.

Und weil alle Experten mit einer Abkühlung der Weltwirtschaft (und damit auch der Eurozone) rechnen, werden die Zinsen auf Sicht niedrig bleiben. Dass die Inflation derzeit mit 0,9 Prozent niedrig ist, wird die Notenbanker im September in ihrer Entscheidung bestärken. In der Praxis heißt das, dass der Einlagensatz für Banken bei der EZB von minus 0,4 auf minus 0,6 Prozent sinkt.

Die Sparer sind nicht begeistert: Der Spitzenbanker der "Ersten", Andreas Treichl rechnet vor, dass die Sparer allein 2018 fünf Milliarden Euro durch seiner Meinung nach zu niedrige Zinsen verloren haben. Tatsächlich scheint es aber so zu sein, dass es kaum einträgliche Investitionsziele für eher zu viel als zu wenig Kapital gibt.

Zu lange schon verlässt sich die Politik darauf, dass die Zentralbanker die Wirtschaft irgendwie am Brummen halten. Die jüngste Zinssenkung der Notenbank der USA (Federal Reserve) hilft ohnehin indirekt auch der europäischen Wirtschaft, weil europäische Handelspartner, die in Dollar verschuldet sind (das ist bei vielen Schwellen- und Entwicklungsländern der Fall), ihre Rückzahlungen leichter stemmen und dadurch Spielraum gewinnen. Mit ihrem Konsum unterstützen sie die Wirtschaft der Eurozone.

Doch was unternimmt die Politik? Dort fehlt Mut und Gestaltungswille - und desaströse Fehlentscheidungen wie Trumps Protektionismus und der Brexit belasten das Weltwirtschaftsklima noch weiter. Dabei gäbe es so viel zu tun (und damit zu investieren): ein Umbau der Wegwerfgesellschaft zu einer Kreislaufwirtschaft, der Exit aus Kohle- und Kohlenwasserstoffen zugunsten von Erneuerbaren und weitere Maßnahmen für den Klimaschutz. Doch dazu bräuchte es Politiker, die Pflöcke einschlagen und die Richtung vorgeben.