Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ
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Die Hitzewelle im Juli, das hat ein internationales Forscherteam des "World Weather Attribution Projekt" erforscht, geht wohl auf das Konto der Klimakrise - das harmlos klingende Wort Klimawandel beschreibt die drohenden Gefahren nur höchst unzureichend. Nach den Erkenntnissen der Klimaforscher hat sich das Risiko für Hitzewellen im Juli für Westeuropa mindestens verfünffacht, einige Berechnungen gehen sogar vom Faktor 100 aus.

Eisschmelze in Grönland, der Antarktis und der Arktis, Waldbrände am nördlichen Polarkreis, Wasserknappheit von Südindien bis Kapstadt. Dass Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auf Seiten jener Industrien steht, die den Amazonas rücksichtslos ausbeuten und zerstören, ist da nur ein weiteres Problem.

Die Klimakrise ist längst zu einer kaum mehr beherrschbaren Polykrise mutiert, die sich auf verschiedenste Weise manifestiert: Selbst politische Krisen, Kriege, Bürgerkriege und Fluchtbewegungen gehen auf das Konto des Klimawandels - so können Konflikte zwischen Hirten und Ackerbauern in der Sahelzone direkt auf veränderte Niederschlagsmuster zurückgeführt werden. Und selbst beim Bürgerkrieg in Syrien war der Klimawandel einer der wesentlichen Faktoren. Von 2008 bis 2010 herrschte dort eine Dürrewelle, die zigtausende Bauern in die Städte - und dort ins Elend trieb. Diese an den Rand gedrängten, unzufriedenen Massen waren die ersten Rekruten des Volksaufstands von 2011.

Was getan werden muss, darauf hat man sich schon bei der Klimakonferenz in Paris im Jahr 2015 geeinigt: die Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung. Klimaforscher merken zwar an, dass selbst wenn es gelingt, die Erderwärmung vor dem Erreichen dieser Marke zu stoppen, die Folgen gravierend sind. Aber zumindest eine die menschliche Zivilisation bedrohende Klimakatastrophe kann mit der Einhaltung der Klimaziele abgewendet werden. Doch geschehen ist herzlich wenig. Weder auf globaler noch auf europäischer und auch nicht auf nationaler Ebene. So hat die aus dem Amt entlassene türkis-blaue Bundesregierung in ihrer Amtszeit keinerlei Anstrengungen unternommen, die Republik klimafit zu machen. Auf den guten Willen der Konsumenten oder deren schlechtes Gewissen zu setzen, wird nicht reichen. Es braucht eine aktive und engagierte Klimapolitik. Denn wer heute jünger ist als 30, der wird die Folgen der Klimakrise voll zu spüren bekommen.

Politik, das ist eben auch, Verantwortung für die Zukunft - und damit ist nicht nur die nächste Legislaturperiode gemeint - zu übernehmen.