Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".
Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Als am Montag einige Medien von einem "Brand" beziehungsweise einem "Feuer" in der St. Pöltner FPÖ-Zentrale und Ermittlungen des Verfassungsschutzes berichteten, brach sogleich eine digitale Protestwelle los. Wer von einem "Brand" spreche, wolle die Tat verharmlosen, dabei handle es sich doch um einen "Brandanschlag" von "vier Vermummten", empörten sich die Freiheitlichen und etliche ihrer Anhänger. Nun ermitteln die Behörden - und das mit dem in der Sache gebotenen Hochdruck. Über die mutmaßlichen Täter - von der Tat existiert das Video einer Überwachungskamera - war zunächst nichts bekannt. Der FPÖ war das natürlich viel zu unbestimmt, weshalb ihr Parteimanager einmal vorsorglich Linksextremisten als Täter identifizierte, "die von SPÖ, Grünen und NGOs wie SOS-Mitmensch gestützt und beschützt werden".

Konkrete Belege für diese doch handfesten Behauptungen legte der Parteimanager nicht vor. Übrigens genauso wenig wie all die Verschwörungstheoretiker in den Sozialen Medien, die prompt die FPÖ oder ehemalige Freiheitliche verdächtigten, den Anschlag auf das Parteilokal inszeniert oder begangen zu haben. Ohne Fakten kann ja schließlich jeder munter drauf los vermuten. Zumal sich ja - diesbezüglich ist unsere Zeit tatsächlich degeneriert - jeder als Opfer darstellen will.

Dabei fällt es einem, wenn es um die Ablehnung von Gewalt und die allgemeine Rolle einer aggressiven, verletzenden, erniedrigenden Sprache geht, in der Tat schwer, nicht nur Banalitäten aufs Papier zu bringen. Wer das wirklich anders sieht, wird das kaum öffentlich laut sagen. Das macht all die allgemeinen Appelle an eh alle, doch bitte die Grenzen des Respekts nicht zu verletzen, so ungeheuer unoriginell.

Herausfordernder wird es, wenn es konkret werden soll. Und eben gerade nicht nur "die Anderen", sondern die eigene Gesinnungsgemeinschaft betrifft. Und dies umso mehr, wenn die Gewalt, die physische wie die sprachliche, auch noch diejenigen getroffen hat, die es nach eigener Meinung ohnehin verdienen. Wobei man dies höchsten leise denken, aber ja nicht laut sagen sollte. Ansonsten helfen nur eingängige Sprüche wie "Wer Hass sät, wird Hass ernten", um das Gedachte sozial akzeptabel zu umschreiben.

Dabei sollte keine Gesellschaft die Verantwortung für Gewalt leichtfertig an andere delegieren. Ansonsten bleiben am Ende womöglich doch noch die Opfer unter sich und von den Tätern keine Spur. Ob das als ein Fortschritt anzusehen wäre, darf bezweifelt werden. Und bis es soweit ist, werden die Ermittlungen der Behörden und anschließend ein Gericht diese Einteilung vornehmen.