Ein Leben ohne Sauerstoff ist nicht möglich. Und wie wir aus dem Biologieunterricht wissen: Sauerstoff wird von Pflanzen produziert - unter anderem, indem sie das für Menschen schädliche Kohlendioxid binden. Nun scheint der logische Schluss daraus zu sein: Wenn die - ständig wachsende - Erdbevölkerung Interesse an ihrem Überleben hat, dann hat sie Interesse an Sauerstoff.

Gebannt starrt die Welt nun auf die Brände in Brasilien. Das kann doch nicht sein. Das muss man unterbinden. Wieso ist das überhaupt möglich?

Doch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bedient seine Basis und die Klaviatur des Kolonialismus: Was wollt ihr da, sagte Bolsonaro, es ist unser Wald. Er weigerte sich, Zahlungen für die Löschung der Brände entgegenzunehmen.

Es klingt unsympathisch, ist aber im Kern nicht falsch, wenn Bolsonaro den Europäern ausrichten lässt, sie sollen vor ihrer eigenen Tür kehren und doch selbst wieder Urwälder zulassen. In unseren Breiten wurden diese nämlich auch abgeholzt. Jetzt vertraut die Welt eben auf die grüne Lunge, die sich im Hoheitsgebiet Brasiliens befindet.

Dass den Bränden nicht entschieden entgegengetreten wird, dass die Abholzung - illegal wie legal - weiter erlaubt ist, macht fassungslos. Und es läuft auf das uralte Problem der Besitzverhältnisse hinaus: Sollte der Urwald ein "Commons", ein Gemeingut, sein? Oder, wie bisher, nicht?

Brasilien hat weltweit die zweitgrößte Waldfläche, nach Russland. Nach geltendem Recht können Brasilia und Moskau damit tun und lassen, was sie wollen.

Anders wäre es, wenn der Regenwald auf dem Mond stünde, oder auf dem Tiefseeboden. Denn nur für diese zwei Gebiete gilt bisher das völkerrechtliche Prinzip des "Gemeinsamen Erbes der Menschheit". Der Abbau von Bodenschätzen muss einem internationalen Regime folgen beziehungsweise von Komitees bewilligt werden; Eigentum kann auf dem Mond und in der Tiefsee nicht erworben werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat das Amazonas-Gebiet als "Gemeingut" bezeichnet - ein frommer Wunsch. Wie gut die internationale Gemeinschaft mit Biodiversität und Regenwald umgeht, hat 2007 der Versuch Ecuadors gezeigt: Um das Erdöl in einem Juwel der Biodiversität, im Yasuni-Nationalpark, im Boden zu lassen, hat der damalige Präsident Rafael Correa zusammen mit der UNO einen Fonds aufgelegt, um wenigstens 50 Prozent des theoretischen Gewinnentgangs zu decken. Das Projekt scheiterte kolossal, weil die erwarteten Mittel aus dem Westen ausblieben. Und die Ölförderung nahm ihren Lauf.