Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ
Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ

Nach gut zwei Wochen an Bord der Rennyacht "Malizia II" war es so weit: Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg traf am Mittwoch in New York ein.

Für die 16-Jährige ist das das Ende eines abenteuerlichen Segeltörns. Am 14. August war Thunberg im südenglischen Plymouth mit ihrem Vater Svante und dem schwedischen Filmemacher Nathan Grossman an Bord gegangen, der norddeutsche Segelprofi Boris Herrmann und sein Co-Skipper Pierre Casiraghi (ein Mitglied der Fürsten-Familie von Monaco) brachten ihre Passagiere sicher auf die andere Seite des Atlantiks.

Gretas Reise wurde von einigen Medien - darunter von der links-grünen Berliner "tageszeitung" - durchaus kritisch gesehen: So würden fünf Mitarbeiter die "Malizia II" wieder zurück nach Europa segeln, und diese würden mit dem Flugzeug in die USA fliegen. Einer der Skipper, Casiraghi, ist zudem laut der konservativen Tageszeitung "Die Welt" Mehrheitsaktionär der Fluggesellschaft Monacair in Monaco, die Hubschrauberflüge für Privatkunden anbietet. Soweit zur Kritik: Seit 2018, so ist wiederum im Nachrichtenmagazin "Spiegel" zu lesen, würde die Crew der "Malizia II" all ihre klimaschädlichen Aktivitäten mit CO2-Kompensation ausgleichen. Bei diesem System spenden CO2-Verursacher Geld an Organisationen wie atmosfair oder myclimate, die klimafreundliche Projekte finanzieren.

Eines zeigt die Diskussion rund um Greta Thunbergs Segelreise in die USA: Ein nachhaltiges Leben ist auch für eine überzeugte Klima-Aktivistin schwierig.

Tatsächlich ist eine Segelyacht nicht das beste Symbol für einen klimafreundlichen Lebensstil: Eine 20 Meter lange Rennyacht ist ein teures Spielzeug für Super-Reiche. Die Mitglieder diese Gruppe gehören mit ihren Yachten, Zweit- und Drittwohnsitzen, großen Luxusvillen mit Pool und geräumigen Garagen, die mit SUVs und Sportwagen vollgeparkt sind, zu den größten Klimasündern.

Andererseits muss man anerkennen, dass Thunberg aufzeigen will, dass es Alternativen zu Transatlantik-Flugreisen gibt.

Auf der anderen Seite des Atlantik ist jedenfalls genug zu tun: Während das Klima-Thema in Europa die politische Agenda beherrscht, ist Donald Trumps Amerika in Sachen Klimaschutz sogar zurückgefallen. US-Präsident Donald Trump hatte am 1. Juni 2017 den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen erklärt, er gilt als enger Verbündeter der US-Kohle- und Ölindustrie. Greta Thunberg will nun die Klimadebatte nach Amerika bringen und die jungen Menschen dort genauso inspirieren, wie sie das in Europa getan hat. Und dafür braucht es offenbar Showbusiness, so wie die abenteuerliche Überfahrt über den Atlantik.