Die große Mehrheit der Bürger in diesem Land wird es gar nicht bemerkt haben, aber irgendwie hat es dieser seltsame Wahlkampf geschafft, unter der Hand zu einem Medienkampf zu werden. Zu einem Kampf mit und um und zwischen Medien. Oberflächlich betrachtet spielt dabei auch die ÖVP eine Rolle. Doch im Grundsatz geht es um etwas anderes, nämlich um die ureigenste Rolle und das Selbstverständnis der Medien in diesem Land.

Politik, politische Parteien, ja die Macht ganz allgemein: Sie alle sind für freie Medien weder Partner noch Gegner. Sie sind das Gegenüber, das absolut Andere. Dass Medien selbst zu Machtfaktoren werden können und diese Macht auch machtbewusst für politische Ziele einsetzen, gehört zu den Paradoxien einer widersprüchlichen Welt.

Doch zurück zum Medienkampf in Österreich, bei dem es, wie gesagt, am Rande auch um die ÖVP geht. Dass diese sich von einigen Medien ungebührlich attackiert fühlt: Geschenkt! An wem, wenn nicht an der stärksten politischen Kraft, sollten sich Medien, die unbequem sein wollen, auch sonst reiben und abarbeiten? Außer der FPÖ natürlich, die auch ohne Macht ein Lieblingsgegner ist.

Kurz gesagt: Die ÖVP taugt nicht zum Opfer. Von daher richten sich die Sanktionsversuche der Volkspartei gegen den "Falter" wegen angeblich unfairer Berichterstattung in Sachen Spenden und Wahlkampfkosten von selbst.
Das Nicht-Einladen und/oder Aussperren von Journalisten ist im mindesten kindisch und einer staatstragenden Partei mehr als nur unangemessen.

Schlichtweg jenseitig ist dagegen, wie wir Medien uns gegenseitig in die politische Auseinandersetzung hineinziehen. Im Netz tobt bereits seit längerem eine mit ehrenrührigen Mitteln ausgetragene Schlammschlacht gegen den "Kurier", dem hier von interessierter Seite schlicht die journalistische Anständigkeit abgesprochen wird, abgeschwächt widerfährt dies auch der Redaktion der "Presse". Selbiges findet, nur eben von gegenteiliger Seite, auch gegen den "Falter" statt.

Die Tragödie ist, dass Journalisten bei dieser Selbstbeschädigung ihrer Branche mit am Werk sind, ja diese noch befeuern. Dagegen findet sich kaum ein Wort der Verteidigung, des Zurechtrückens dieser generalvernichtenden Kritik von den Vertretern der Medien selbst. Und im Medienmagazin des ORF wird diese am journalistischen Kern rührende Auseinandersetzung nicht nüchtern analysiert oder eingeordnet, sondern weiter befeuert.

Immerhin, das Gros der Bürger bemerkt von diesem Schützengrabenkampf der Medien in diesem Wahlkampf wenig bis gar nichts. Das ist aber auch das einzig Gute an dieser für die Medien tragischen Entwicklung. Und keine Partei trägt daran die Schuld.