Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ
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Kurz vor seiner Kündigung durch US-Präsident Donald Trump twitterte US-Scharfmacher John Bolton noch: "Diese Woche sind es 18 Jahre seit dem 11. September 2001. Wo waren Sie, als Sie von den Anschlägen erfuhren?"
Kurz danach war er gefeuert.

John Bolton hielt als dritter Nationaler Sicherheitsberater im Weißen Haus gerade einmal 520 Tage durch. Sein Vorgänger H.R. McMaster (412 Tage) war ein besonnener Top-General; Trumps erster Nationaler Sicherheitsberater, Generalleutnant Michael Flynn, flog nach nur 24 Tagen aus dem Amt, weil er Kontakte zum russischen Botschafter in Washington verschwiegen hatte.

Eigentlich war Bolton ein Mann nach Trumps Geschmack: Kriegstreiber, Hardliner und in seiner Kommunikation mehr als direkt. Bei vielen Liberalen war Bolton seit dem Irak-Krieg verhasst. Er war neben Vizepräsident Dick Chaney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld jener politische Verantwortungsträger, der wohl den größten Beitrag dazu geleistet hat, die USA auf Konfrontationskurs mit dem Regime von Saddam Hussein zu steuern.

Aber Bolton fand sich während seiner Amtszeit immer öfter in der für ihn unangenehmen Position wieder, der Politik Trumps im Weg zu stehen. So war Bolton ein strikter Gegner von Verhandlungen mit Nordkorea, solange das Regime in Pjöngjang nicht als Vorleistung Schritte zu einer vollständigen atomaren Abrüstung erbringt.

Bolton war es auch, der den von Trump im Dezember 2018 angekündigten Abzug von US-Truppen aus Syrien hintertrieben hat. Ein solcher Schritt hätte die mit den USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbündeten Kurden in Syrien dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgeliefert. Und der Abzug hätte es dem Regime von Präsident Bashar al-Assad und seinem Verbündeten Iran sowie dem IS und Erdogan erlaubt, das Vakuum zu füllen.

Und zuletzt hat Bolton gegengesteuert, als Trump mit den afghanischen Taliban verhandeln ließ und den Kämpfern ein prestigeträchtiges Treffen in Camp David versprochen hat. Der Abzug der US-Truppen hätte offenbar mit dem US-Präsidentschaftswahlkalender synchronisiert werden sollen. Als Bolton dieses Treffen torpedierte, reichte es Trump offenbar, und er feuerte Bolton.

Wie schlimm es um die US-Außenpolitik bestellt ist, sieht man daran, dass halbwegs vernünftige Analysten, die Bolton stets für einen gefährlichen Scharfmacher gehalten haben, sich nun Sorgen machen, wer als Nächster kommt. Denn nun gibt es in Trumps engstem Führungszirkel nur noch Ja-Sager. Und die sind vielleicht noch gefährlicher als Bolton.