Jubel, Ovationen, Blumensträuße und ein Wahlergebnis nicht weit weg von den magischen 100 Prozent: Norbert Hofer muss keine Überraschungen fürchten, wenn er am Samstag in Graz von den Delegierten nun auch offiziell zum Nachfolger des gefallenen Heinz-Christian Strache als FPÖ-Obmann gekürt wird.

Aus Sicht der freiheitlichen Basis ist das nur logisch. Die meisten können es wohl bis heute nicht glauben, wie wenig ihnen der Super-GAU des Ibiza-Videos bei ihren eigenen Wählern (die anderen sind hier irrelevant) geschadet hat. Immerhin pendelt die FPÖ seitdem stabil um die 20-Prozent-Marke.

Um dieses Niveau zu halten und vielleicht dereinst wieder auszubauen, ist Norbert Hofer das beste Pferd im blauen Stall. Nur: Am grundsätzlichen Dilemma dieser Partei wird auch er nichts ändern können; und ob er es überhaupt wollen würde, steht ohnehin auf einem anderen Blatt.

Der FPÖ ist es unter Strache gelungen, ihren Stimmenanteil stetig auszubauen. Und noch mehr: Wer heute FPÖ wählt, ist überzeugter Stammwähler, und von solchen treuen Wählern haben die Blauen mittlerweile mehr als jede andere Partei.

Doch der Kitt, der diesen Bund zusammenhält, ist nur am Rande ein programmatischer. Was stimmt, ist: In ihrer scharfen Kritik an Migration, Establishment und Europa haben die Freiheitlichen ein Alleinstellungsmerkmal. Doch mindestens so wichtig wie das Was ist für ihre Klientel das Wie. Beides, die Themen wie der Ton, sichern der FPÖ ein Dasein als mittelgroße Partei. Genau darin liegt auch der tiefere Grund, dass die Blauen nicht nur Glücksritter von zweifelhaftem Charakter anziehen, sondern auch attraktiv für Radikale sind.

Ihre Stärke ist zugleich ihre größte Schwäche. Bleibt die FPÖ ihren Eigenarten samt Strizzi-Mentalität und Einzelfall-Affinität treu, ist sie für jeden Koalitionspartner ein ständig explosionsbereites Pulverfass.

Stand jetzt, ist die FPÖ deshalb innenpolitisch nur ein taktisches Atout im Blatt der ÖVP, ein Druckmittel auf Dritte (in manchen Ländern macht sich das auch die SPÖ zunutze). Doch diese Option hat für die ÖVP einen Preis in Form ihrer demokratiepolitischen und europäischen Reputation. Dessen ist man sich zunehmend wieder auch in der Volkspartei bewusst.

Hofer hat nun zwei Optionen: Er führt mit dieser FPÖ ein gemütliches Leben in der Opposition, aber weit weg von jeder realen Macht. Oder aber er ändert die politische DNA seiner Partei.

Doch die hat sich in den letzten Jahrzehnten als ausgesprochen stabil erwiesen. Was wiederum mehr über Österreichs Demokratie aussagt, als uns allen lieb sein kann. Nichts existiert einfach so.