Österreich ist im "Social Progress Index" (SPI) 2019 von Platz 13 auf Platz 20 - von insgesamt 149 Staaten - abgerutscht. (Der SPI wird jährlich von der NGO Social Progress Imperative in Zusammenarbeit mit Deloitte herausgegeben.) Österreich spielt damit immer noch in der Topliga, es ist also nichts Dramatisches passiert. Interessant ist aber, aufgrund welcher Faktoren Österreich Terrain verloren hat: Bildung, Chancengleichheit, Diversität sowie Rechtssicherheit. Sämtliche Standortstudien bezeugen der Bildung einen hohen Stellenwert. Das ist es, was Österreich anzubieten hat: gute Ausbildung, sozialen Frieden, Infrastruktur, usw.

Damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt, sind vor allem Anstrengungen im Bildungsbereich nötig. Bildung spielt aber im laufenden Wahlkampf fast keine Rolle. Lediglich die Neos haben sich dazu bisher zu Wort gemeldet - und am Donnerstag auch die ÖVP. Interessanterweise, möchte man sagen. Denn Bildung war für die ÖVP bisher kein zentrales Thema. Was aber will die ÖVP? Eine Bildungspflicht bis 18 Jahre, wenn die Jugendlichen am Ende der Schulpflicht die Grundkompetenzen nicht ausreichend beherrschen, eine Ausstattung der Schulen in der Sekundarstufe I mit Tablets und die Beibehaltung der Deutschklassen.

Nicht revolutionär. Zumal es wieder einmal um Strukturen geht - der Politiker liebste Stellschraube im Bildungsbereich. Denn was haben die Jugendlichen gewonnen, wenn sie noch zwei Jahre more of the same bekommen? Können sie aufholen, was ihnen in neun Jahren nicht beigebracht werden konnte? Warum konnte es ihnen nicht vermittelt werden? Erst, wenn diese Bildungspflicht mit Substanz erfüllt wird, kann daraus auch etwas Sinnvolles entstehen. Sonst schafft man nur längeres Schulelend und noch mehr Bildungsferne.

Dasselbe gilt für die Tablets. Es kommt nicht darauf an, Geld in Technologie zu stecken - zumal es an vielen Schulen überhaupt kein WLAN gibt -, sondern die Digitalisierung quer durch alle Fächer Eingang finden zu lassen. Aber da stehen starre Lehrpläne und starre Strukturen davor.

Die Politik hat vor einigen Jahren ein Riesenpaket geschnürt, in dem eine wirkliche Schulautonomie vorgesehen war, in dem Schulen nach ihren Bedürfnissen hätten finanziert werden sollen und sehr viele andere sinnvolle Dinge mehr enthalten waren. Geblieben ist davon ein Wurmfortsatz.

Es fehlt in Österreich nicht an Geld und Personal, sondern an Freiheit. Die Schulen müssen den Freiraum erhalten, ihre eigene Kultur zu entwickeln - die wichtigste Ressource an Schulen. Wahlkampfbekenntnisse bleiben gegenstandslos, solange den Schulen nicht die Entwicklung dieser Kultur zugestanden wird.