Weiter, immer schneller weiter. Kaum sind letzten Stimmen ausgezählt, schon blicken alle auf die nächsten Aufreger: Kann Türkis-Grün wirklich funktionieren? Wollen die beiden Parteien überhaupt? In acht Tagen wählt Vorarlberg, in sieben Wochen die Steiermark, in vier Monaten das Burgenland und irgendwann 2020 dann Wien. Die Zeit bis dahin wird überbrückt mit Schadenfreude und Mitleid für die Wahlverlierer SPÖ und FPÖ.

Doch im himmelhochjauchzenden Jubel der Gewinner und dem selbstzerfleischenden Trubel der Verlierer drohen einige zentrale Botschaften des akkumulierten Wählerwillens unterzugehen.

Die wichtigste Erkenntnis ist zweifellos die, dass Todesangst für jede Partei ein ständiger Begleiter ist. Mit dem falschen Kandidaten und falschen Themen zur falschen Zeit am falschen Ort droht Grünen und Neos jederzeit das Aus im Parlament - und den Großen ein Absturz auf und unter die 15-Prozent-Marke.

Das sollte bei den Gewinnern zu Demut führen und bei den Verlierern zur Hoffnung, dass es auch wieder aufwärtsgehen kann. Schließlich ist es gerade fünf Jahre her - also die Dauer einer vollen Legislaturperiode -, dass die Umfragen der ÖVP einen Absturz unter 20 Prozent androhten. Damals hieß der Obmann Michael Spindelegger und der Retter Reinhold Mitterlehner. Dessen Stern verglühte dann so schnell wie der des Vorvorgängers Josef Pröll. Dabei war es der glücklose Spindelegger, der mit klugen Personalentscheidungen eine Erneuerung der ÖVP einleitete. Eine davon trägt den Namen Sebastian Kurz. Doch das Erfolgsbeispiel der ÖVP ist tückisch, weil es verleitet, alles nur auf die Person an der Spitze zu reduzieren.

Richtig ist, dass jede Politik ohne überzeugendes Personalangebot zum Scheitern verurteilt ist. Mit einem netten Gesicht alleine ist einer Partei aber genauso wenig geholfen. Kurz steht in den Augen seiner Wähler (und vielleicht noch mehr seiner Kritiker) für ein authentisches, klar definiertes und kompaktes Politikangebot.

Über nichts davon verfügt derzeit die Sozialdemokratie. Aber Kurz und die ÖVP zeigen, dass sich schon in fünf Jahren das Schicksal wenden kann. Kann, nicht muss. Und alle freudentaumelnden Türkisen mögen sich vorstellen, wo ihre Partei stünde, wäre Spindelegger ein ein bisschen besserer Spitzenkandidat, aber ein deutlich schlechterer Personalmanager gewesen.

Eines aber sollten sich alle Akteure ganz besonders ins Stammbuch schreiben: Parteien sind kein Selbst- und Funktionärszweck. Und wenn sie es doch geworden sind, verdienen sie den Untergang. Das aber sollte kein Grund zur Freude sein. Aus übergeordneten Gründen.