Donald Trump ist für Wladimir Putin ein Geschenk des Himmels. Jeden Tag.

Der Mann, der "Make America great again" versprach, macht Russland wieder groß. Der hastige Abzug von US-Truppen aus dem kurdisch kontrollierten Nordosten Syriens war für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Einladung zur Invasion im Nachbarland. Dieser Abzug hat zugleich die syrischen Kurden dazu gezwungen, die mühevoll errungene Unabhängigkeit von der Regierung in Damaskus aufzugeben. Die Kurden gaben den Weg frei für Präsident Bashar al-Assads Truppen, in der Hoffnung, dass so der türkische Vorstoß gestoppt werden kann. Ein Punkt für Assad. Der zweite Nutznießer der Fehler von Tweeter in Chief Donald Trump heißt Wladimir Putin. Der Kreml unterstützt Assad seit Jahren, und Putin hat es auch geschafft, immer engere Bande zum türkischen Präsidenten zu knüpfen. Der jüngste Coup war der Kauf russischer Luftabwehrraketen durch das Nato-Mitglied Türkei.

Das Vakuum, das die USA im kurdisch dominierten Teil Syriens hinterlassen haben, füllt nun Russland.

In Syrien hat Putin dank Trump die USA aus dem Feld geschlagen, doch die große Trophäe für den Kreml wäre die Türkei. Gelingt es Putin, Ankara noch stärker aus dem Nato-Verband herauszulösen und Erdogan noch inniger zu umgarnen, ist die Türkei als US-Verbündeter verloren. Die Chancen für Moskau stehen gut: Da der Türkei der Weg in den Westen versperrt ist - das Interesse der Europäischen Union, eines Tages die Türkei als Mitglied aufzunehmen, ist in den vergangenen Tagen nicht größer geworden -, wendet Ankara eben den Blick nach Osten.

Dass Europa in der Region noch irrelevanter wird, überrascht übrigens niemanden mehr.

Die militärischen Erfolge für Russland in Syrien und die politischen in den Beziehungen mit der Türkei sind längst nicht alles: Die russischen Versuche, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zu schlichten, haben nach dem Abzug der USA gute Aussichten auf Erfolg. Bei seinem Besuch in Riad forderte Putin Irans Nachbarn auf, die Interessen der islamischen Republik zu "respektieren". Es ist durchaus möglich, dass Kronprinz Mohammed bin Salman dieser Aufforderung etwas abgewinnen kann. Denn in einem militärischen Konflikt mit dem Iran ist Saudi-Arabien ohne US-Unterstützung so gut wie chancenlos. Und US-Unterstützung für Verbündete ist - wie die vergangenen Tage in Syrien gezeigt haben - alles andere als sicher.

Für den Kreml scheint jedenfalls ein historischer Triumph zum Greifen nahe: Russland ist drauf und dran, die USA als wichtigste Großmacht im Nahen Osten abzulösen.