Immerhin: Die Gefahr, dass aus dem improvisierten Provisorium namens Haus der Geschichte Österreich, das vergangenes Jahr mit Ach und Krach gerade noch rechtzeitig zum 100. Gründungstag der Republik eröffnet wurde, ein dauerhaftes Provisorium wird, ist um eine Nuance kleiner geworden. Österreich hat da durchaus eine einschlägige Neigung.
Der Evaluationsbericht zum Haus der Geschichte ist dankenswert eindeutig in seinen Empfehlungen an eine nächste Bundesregierung: Der jetzige Zustand ist demnach unhaltbar, die Räumlichkeiten in der Hofburg sind viel zu eng, detto Finanz- und Personalausstattung. Als bevorzugter Ausweg wird ein Museumsneubau auf dem Heldenplatz empfohlen, diesem Prunk-, Aufmarsch- und Gedenkort im Herzen der Hauptstadt; als Alternative wird auch ein Verbleib in der Hofburg oder ein Umzug in ein anderes repräsentatives Gebäude nicht ausgeschlossen.

Ob sich eine neue Regierung an einen Neubau auf dem Heldenplatz tatsächlich heranwagen wird, bleibt abzuwarten. Diesem von der Monarchie geprägten Raum, den Adolf Hitler 1938 für seine "Anschluss"-Rede nutzte und den das Lichtermeer 1993 neu zu interpretieren versuchte, stünde zweifellos eine architektonisch passende Ergänzung durch die Republik gut zu Gesicht.

Allerdings besteht die reale Gefahr, dass die städtebauliche Debatte über einen Neubau an diesem Ort, die wohl mehr als nur hitzig werden würde, das eigentliche Anliegen an den Rand drängen würde. Statt über die Notwendigkeit für ein Haus der Geschichte würde alle Energie in den Streit über den Ort und die Architektur fließen.

Das ist natürlich defensiv gedacht, aber realitätsnah. Österreich, vor allem Wien, hat noch immer weder die Öffentlichkeit noch die Politik, um in einer solchen Debatte über einen Neubau an historisch aufgeladener Stelle zu bestehen. Von daher wäre es wohl die klügere Strategie, gleich nach einem anderen zentralen Bauplatz für einen Neubau, einer besseren Raumlösung in der Hofburg oder ein alternatives Gebäude im Zentrum - in dieser Reihenfolge - zu suchen.

Damit es in Wien, dieser Stadt der wunderbaren Museen, endlich auch einen angemessenen Ort gibt, an dem Einheimische wie Touristen über die wechselvolle und stets prekäre Geschichte der bürgerlichen Emanzipation, das Streben nach Demokratie samt Rückschlägen sowie die Suche nach Lösungen für die Probleme des Miteinanders in unserer zunehmend auseinanderstrebenden Gesellschaft nachdenken und diskutieren können. Es ist höchste Zeit für einen solchen Ort der kritischen Selbstvergewisserung.