Eine radikale Minderheit, die ihr missliebige Professoren mundtot macht; die zunehmend gefährdete Freiheit der Lehre: Mit einer dramatischen Beschreibung der Zustände an deutschen Hochschulen ließ das Monatsmagazin "Cicero" kürzlich aufhorchen.

Daniel Bischof ist Redakteur im Innenpolitik-Ressort. - © WZ
Daniel Bischof ist Redakteur im Innenpolitik-Ressort. - © WZ

Wie in den USA drohen auch deutsche Universitäten zu "geschützten Räumen" zu werden, in denen abweichende Meinungen nicht mehr akzeptiert werden.

Die Vorkommnisse rund um den Historiker Lothar Höbelt lassen befürchten, dass diese Entwicklung nun auch Wien erfasst. Am Dienstag blockierten rund 100 - großteils vermummte - Demonstranten Eingänge in der Uni Wien. Dadurch wollten sie eine Vorlesung des ihrer Meinung nach rechtsextremen Höbelt verhindern. Aufgrund von tätlichen Übergriffen - Vorlesungsteilnehmer und Demonstranten weisen einander gegenseitig die Schuld zu - musste der Sicherheitsdienst der Universität die Polizei einschalten. Um eine Eskalation zu verhindern, wurde die Vorlesung abgesagt.

Diese beklemmenden Ereignisse erinnern an dunkle Zeiten. Gerade deshalb wäre es angebracht, die Situation mit mäßigenden Worten abzukühlen. Diese kamen zwar vom Rektorat, welches die Vermummung und Gewaltbereitschaft deutlich verurteilte. Die Österreichische Hochschülerschaft Uni Wien hingegen heizte den Konflikt an: Sie sprach von einer legitimen "antifaschistischen Blockade" und räumte offen ein, dass sich ihre Vertreter unter die Vermummten gemischt hatten.

Wieder einmal erweckt die ÖH den Eindruck, auf dem linken Auge blind zu sein: So verurteilt sie mit aller Schärfe zu Recht jede Form des Rechtsextremismus - geht es aber um Linksextreme, wendet sie nur allzu gerne den Blick ab. Gerade aber eine Studentenvertretung müsste sich für friedliche, rechtskonforme Proteste und die Freiheit der Lehre einsetzen.
Dass die ÖH weiter auf Höbelts Entlassung pocht, ist unverständlich. Ja, der Mann ist FPÖ-nahe, so what? Warum sollte ein SPÖ-naher Historiker mit allen Ehren überhäuft, ein blauer aber mit Schimpf und Schande durch die Gänge getrieben werden dürfen? Die Parteizugehörigkeit darf kein Berufsverbot nach sich ziehen.

Dass Höbelt auf höchst fragwürdigen Veranstaltungen aufgetreten ist, lässt ihn zwar in keinem guten Licht erscheinen, rechtfertigt aber nicht seinen Rauswurf. Anders wäre die Situation, falls er nachweislich rassistische und antisemitische Äußerung getätigt haben sollte: Dann hätten das Rektorat und gegebenenfalls die Justiz die Vorwürfe zu prüfen und Konsequenzen zu ziehen. Für Selbstjustiz und Gewalt aber ist an der Uni - egal, von welcher Seite sie kommen - kein Platz.