Die Weltwirtschaft hat sich nun am Corona-Virus angesteckt: Die Börsen sind auf sechs von sieben Kontinenten auf Talfahrt. Gäbe es in der Antarktis ein Handelsparkett, dann würde es dort heute wohl ebenfalls turbulent zugehen und der Kursgraph auch am Südpol deutlich nach unten zeigen.

Grund für den globalen Kurssturz: Die Marktteilnehmer haben ihre Risiko-Einschätzung in Bezug auf das Corona-Virus korrigiert.

Das ist vorerst nicht weiter überraschend: In China ist das Virus noch lange nicht unter Kontrolle und es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Weltgesundheitsorganisation WHO Pandemiealarm schlagen muss. Eine Pandemie ist eine örtlich nicht mehr beschränkte Epidemie - dies ist nach der Verbreitung von Covid-19 von China über Südkorea, Japan, Iran, Libanon, Italien, Kanada, USA, Ägypten - längst der Fall.

Und dass eine Pandemie nicht ohne Folgen für die Weltwirtschaft bleibt, ist ebenfalls nicht rasend überraschend.

Zudem war schon zuvor die Kombination eines hohen Goldpreises und eines niedrigen Ölpreises ein Indikator für einen sich verschlechternden Gesundheitszustand der Weltkonjunktur.

Das Virus ist nun ein weiterer Angriff auf die Hard- und Software der globalisierten Welt. Und in der EU steht einmal mehr die Personenfreizügigkeit zur Disposition.

Lieferketten und Personenverkehrsnetze sind durch Covid-19 in Gefahr. Händler berichten, dass es bei Elektronikgeräten und Waren aus China zu Lieferengpässen kommt. Vor allem die IT-Industrie hat erkannt, dass sie sich mit der Ballung von Produktionskapazitäten in Shenzhen, Chengdu und anderen Teilen Chinas ein beträchtliches Klumpenrisiko eingehandelt hat.

Doch es waren schon vor Covid-19 Deglobalisierungstendenzen zu beobachten: Der amerikanische Präsident Donald Trump drängt die US-Konzerne seit Beginn seiner Präsidentschaft zum Backshoring, also zur Rückverlegung von Produktionsbetrieben aus Asien in die USA. Das Weiße Haus führt einen Handelskrieg gegen China und mit der Kampagne gegen Huawei droht eine Fragmentierung des IT-Sektors. Jede Region wird in so einer auseinanderdriftenden Welt eigene Mobilfunkstandards und Applikationen entwickeln, die nicht mehr länger miteinander kompatibel sind.

All das ist eine Gefahr für den Weltfrieden: Wo der weltweite Handel erstirbt, gibt es weniger wechselseitige Abhängigkeiten und somit auch weniger Hemmungen, Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Dazu gesellt sich noch Panikmache, mit der manche Akteure den Eindruck von Dauernotstand erwecken. Sie führt die Menschen geistig in eine fragmentierte Welt, in der niemanden mehr zu trauen ist.