Wenn es von Seiten der Verantwortlichen heißt, "Nur keine Panik", wie jetzt im Falle Corona-Virus, dann steigen Pulsfrequenz und Blutdruck, der Muskeltonus nimmt zu und Adrenalin aus den Nebennieren ergießt sich in die Blutbahn.

Kurzum: Panik breitet sich aus.

Das ist das Dilemma der Regierenden: Verantwortungsvolle Politiker planen für den Ernstfall, bereiten die Institutionen auf alle Eventualitäten vor und geben sich nicht mit einem Plan A zufrieden, sondern beauftragen die Experten, Handlungsoptionen zu erarbeiten.

Gleichzeitig geben sie möglichst in Echtzeit Lageberichte ab und informieren die Bevölkerung über notwendige Vorbereitungsmaßnahmen.

Darüber nachzudenken, was alles passieren könnte, und zu kommunizieren, wie man viralen Herausforderungen begegnet, ohne dabei selbst Schwarzmalerei und Panikmache zu betreiben, das ist nun die Aufgabe, vor der die Verantwortlichen stehen.

Und so kann man es verwunderlich finden, wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO das P-Wort (Pandemie) angesichts des Ausbruchs des Corona-Virus SARS-CoV-2 (noch) nicht verwenden will, doch die Verantwortlichen sind in Sorge, damit die Stimmung weiter anzuheizen.

Ist der offene, liberale Rechtsstaat europäischer Prägung besser auf die Pandemie-Abwehr vorbereitet als das autoritäre China?

Zumindest am kritischen Beginn der Corona-Krise hat China versagt: Die Gefahr wurde - wie schon bei der SARS-.Krise 2002 - heruntergespielt, warnende Stimmen wie der chinesische Arzt Li Wenliang, der Anfang Februar selbst dem Virus zum Opfer fiel, wurden mundtot gemacht.

In dieser Krise offenbart sich auch die Schwäche von Chinas starkem Mann, dem Präsidenten und Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Xi Jinping: Weil Xi mit einer seit Mao Zedong unerreichten Machtfülle ausgestattet ist, ist er zugleich auch jener Mann, den die chinesischen Bürgerinnen und Bürger für das Wohl und Wehe der chinesischen Gesellschaft hauptverantwortlich machen werden.

Mit der Kontrolle über Information - sprich: Zensur - hat China verbockt, was es dann mit der Kontrolle über die eigene Bevölkerung hektisch wettzumachen versucht hat. Mit drakonischen Maßnahmen wurden die Viren-Hotspots eingehegt und die Bewegungsfreiheit der Bürger eingeschränkt.

In Europa ist es sehr viel schwieriger als in China, Zwangsmaßnahmen durchzusetzen; gleichzeitig fällt es westlichen Gesellschaften wesentlich leichter, Probleme offen und schonungslos anzusprechen und rasch auf ein sich änderndes Lagebild zu reagieren. SARS-CoV-2 ist somit auch ein System-Test zwischen Europa und dem Reich der Mitte.