In Krisen schlägt die Stunde der Exekutive. Es ist der Moment, wo den Verantwortlichen die volle Aufmerksamkeit gehört, wo sie mit Klarheit und Führungsstärke Punkte bei den Bürgern gewinnen können, weil das Klein-Klein der Tagespolitik plötzlich weggewischt ist. Oder aber die Krise zeigt die Schwächen eines politischen Systems wie unter einem Brennglas auf.

Während die türkis-grüne Bundesregierung ein entschlossenes und international gelobtes Krisenmanagement an den Tag legt, gerät der Kampf gegen die Pandemie für die schwarz-grüne Landesregierung in Tirol zum Fiasko mit - aus heutiger Sicht unabsehbaren - Folgen für das Image als internationale Tourismusdestination. Das Problem ist nicht, dass die Landesbehörden spät den Ernst der Lage erkannt haben; das war auch anderswo der Fall - am Dienstag waren in London die U-Bahnen immer noch voll.

Fatal ist der Eindruck, dass in Tirol einzelne Tourismusunternehmer - im Doppelpass mit der Passivität lokaler Behörden - erfolgreich das Schließen von Liftanlagen und Bars hinauszögerten. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem bereits allen bewusst sein musste, welche Gefahr das Coronavirus für Gäste, Mitarbeiter und Einheimische darstellt. Tatsächlich lassen sich zahllose Infizierungen aus Island, Norwegen, Deutschland und anderen Ländern auf einen Tiroler Skiurlaub zurückführen. Längst sind die Versäumnisse beim Tiroler Krisenmanagement auch Thema in den internationalen Schlagzeilen. Wenig schadet einem hochpreisigen Tourismusland mehr als der Eindruck, wirtschaftliche Interessen zählten mehr als die Gesundheit der Gäste.

Was in den Tiroler Skiregionen konkret falsch gelaufen ist, werden die kommenden Wochen und Monate mit Sicherheit an den Tag bringen, dafür werden Justiz, Opposition und Medien hoffentlich sorgen. Das tieferliegende Grundproblem ist dagegen schwerer zu beheben.

In Tirol bestimmt seit jeher stets ein und dieselbe Partei. Die dabei entstandenen und sich verfestigenden Strukturen und Netzwerke helfen wiederum, die Macht der Mehrheitspartei weiter zu stärken. Das verführt zu Verquickungen mit den jeweils dominierenden Wirtschaftssektoren. In Tirol ist es der Tourismus, in anderen Ländern sind es andere.

Derartige Systeme, die sich selbst verstärken, erfordern besondere Mechanismen und Aufmerksamkeit für die politische Hygiene, die in normalen Zeiten schwer durchzusetzen sind. Weil es anders doch so viel leichter geht. In diesem Fall hilft nur ein regelmäßiger Machtwechsel. Man nennt dieses Wechselspiel übrigens Demokratie.