Es gibt nichts zu beschönigen: 2020 ist schon jetzt ein verlorenes Jahr. Und keiner der Politiker und Ökonomen hat es kommen sehen. Alle wurden von der Sars-CoV-2-Pandemie überrascht. Jedes Jahr veröffentlichen Risiko-Spezialisten ihre Berichte: Das World Economic Forum (WEF), das U.S. Council on Foreign Relations, die EU-Kommission, Banken, Versicherungen und Consulting-Unternehmen. Doch leider: Selbst das WEF, das das Thema immer sehr ernst nahm, hat die Gefahr einer Pandemie zuletzt im Jahr 2008 als ernst dargestellt.

Dabei warnen alle Expertinnen und Experten bereits seit dem Ausbruch von Sars (2002/2003) vor dem Risiko einer globalen Pandemie, die zigtausende Tote fordern und die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen könnte. Die Wissenschaft ist zudem in großer Sorge, dass das höchst pathogene Vogelgrippevirus H5N1 eines Tages auch Menschen gefährlich werden könnte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt seit Jahren, aber die Politik hat die Hände in den Schoß gelegt. Das rächt sich jetzt.

20.000 Menschen sind bisher nachweislich an Covid-19 verstorben, wie hoch die Dunkelziffer ist, kann derzeit niemand sagen.

Auch der wirtschaftliche Schaden ist enorm: Tourismus und persönliche Dienstleistungen, Flugverkehr und Automobilbranche erleben einen katastrophalen Einbruch, Unternehmer und Arbeitnehmer stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. So wie sich das Virus Sars-CoV-2 in der Bevölkerung ausbreitet, steckt das Virus der Rezession ein Unternehmen nach dem anderen an.

Das nervöse Zucken der Börsenkurse bildet längst kein realwirtschaftliches Geschehen mehr ab, sondern die Trader reagieren panisch auf Horror-Nachrichten und euphorisch auf Fantastilliarden- Rettungspakete.

Die schlechte Nachricht: 2020 kann man vergessen, es wird ein mieses Jahr.

Die gute Nachricht: Irgendwann, wenn die Volkswirtschaft und die Stimmung in der Gesellschaft die Talsohle durchschritten haben, ist der Zeitpunkt gekommen für einen Neuanfang. Und da jedem Anfang ein Zauber innewohnt, ist dieser Wendepunkt eine Chance.

Darum ist es vernünftig, sich jetzt schon Gedanken zu machen, wie man Österreich und die EU fit für die Post-Corona-Welt machen kann. Einige Megatrends, die schon sichtbar wurden, werden sich vertiefen: Radikal-Reformen in der Bildung, Backshoring (also das Zurückholen wichtiger Industrien), eine Nachhaltigkeits-, Internet- und Biotech-Offensive, eine Neubewertung von systemrelevanter Infrastruktur und der Menschen, die sie bereitstellen, die Schaffung von Autarkie in bestimmten Bereichen und die Rückkehr des Staates in der Wirtschaft.

Die Zeit großer Ideen - und großer Investitionen - ist jetzt.