"Alle, die Voraussagen über einen möglichen Start der Spiele von sich geben", so stellte Bayerns Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß mit der ihm eigenen Bestimmtheit gerade fest, "sind Scharlatane. Alles Scharlatane. Kein Mensch weiß genau, wie lange das dauert."

Hoeneß hat recht, auch bezogen auf die Zukunft im Allgemeinen. Einerseits. Andererseits wissen wir, also Experten, verblüffend exakt, was als Nächstes geschehen wird, solange nur Vergleichswerte aus der Vergangenheit zur Verfügung stehen. Daher rührt ja der Alarmismus, mit dem Behörden und Regierungen auf die Corona-Krise reagieren: Weil wir wissen, mit welcher Lichtgeschwindigkeit sich das Virus verbreitet, lässt sich fast auf den Tag genau sagen, wann das Gesundheitssystems zusammenbrechen wird, sollte nichts geschehen.

Im Blindflug befinden sich unsere auf empirische Berechenbarkeit ausgelegten Gesellschaften, wenn wir mit etwas Neuem konfrontiert werden - oder mit etwas Altbekanntem wie einer Pandemie, aber eben unter den Bedingungen der Hochgeschwindigkeitsglobalisierung.

Natürlich war diese anscheinende Berechenbarkeit auf die zweite Kommastelle immer eine bewusst eingesetzte Illusion. Prognosen über mehr als zwei Quartale ähneln einem Glücksspiel. Aber unsere Systeme, vom Finanzminister bis zur kleinsten Führungskraft mit Budgetverantwortung, sind auf ein Zahlenmodell angewiesen, auf das sie ihre Planungen aufbauen können. Anpassen und korrigieren muss man es laufend und hinterher ja sowieso.

Das wird auch beim ersten Versuch einer konjunkturellen Einordnung der Corona-Krise durch IHS und Wifo der Fall sein. Die Forscher wissen selbst am besten, wie dünn das Eis ist, auf dem sie ihre Prognosen errichten (müssen; denn keine Prognose zu erstellen, ist auch keine Alternative). Dabei beruhen diese auf einem Best-Case-Szenario, wo auf einen kurzen scharfen Einbruch im ersten Halbjahr eine kräftige Erholung in der zweiten Jahreshälfte und dann 2021 folgt.

Man kann das als einen Versuch verstehen, den Apokalyptikern und Träumern von einer gänzlich anderen Welt eine nüchterne Zahlenreihe entgegenzuhalten. Natürlich ist in diesen allerersten Einschätzungen der Corona-Krise weder ein Rückbau der globalen Produktionsketten noch die Fantasie einer großen Umverteilung mitbeinhaltet. Es ist ein wackliger Ausblick in eine Zukunft, die unserer unmittelbaren Vergangenheit zum Verwechseln ähnlich sieht. Es gibt schlechtere Botschaften in diesen Tagen. Ob sie aber auch richtig ist, können wir heute noch nicht sagen.