Es war am Freitag, 13. März, als die Bundesregierung rigide Ausgangsbeschränkungen wegen der Sars-CoV-2-Pandemie verkündete. Einen Monat später sucht die Republik den Weg zurück in eine neue Normalität.

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus ist deutlich gesunken, die Bettenreserven auf den Stationen und den Intensivstationen der Spitäler sind ausreichend. Eine Katastrophe wie in Norditalien, Teilen Spaniens oder den USA ist Österreich erspart geblieben.

Nun beginnt eine neue Phase in der Pandemiebekämpfung: Bisher mussten recht breite Maßnahmen verhängt werden, die Einschnürung des öffentlichen Lebens war äußert schmerzhaft. Nun geht es darum, die drakonischen Maßnahmen wieder Schritt für Schritt zu lockern - und zwar sehr vorsichtig und behutsam. Denn es gilt weiterhin zu verhindern, dass das Coronavirus sich unkontrolliert und explosionsartig verbreiten kann.

Doch ist das Land bereit? Gibt es genügend Test-Kits? Gibt es genug geschultes Personal, das diese Tests durchführen und auswerten kann? Ist eine ausreichend große Zahl an Menschen im Einsatz, um die Kontaktverfolgung von Corona-Verdachtsfällen zu übernehmen? Ist die "Stopp Corona"-App in der Lage, bei der Corona-Kontaktverfolgung einen entscheidenden Beitrag zu leisten? Haben die Wissenschafter Daten in ausreichender Qualität und ausreichendem Umfang zur Verfügung, um die Situation gut beobachten zu können? Können Quarantäne-Maßnahmen, die über positiv getestete Menschen verhängt werden mussten, effizient umgesetzt werden? Und können Patienten darauf bauen, dass sie zu Hause - auch wenn sie alleine leben - gut versorgt werden? Funktioniert der besondere Schutz der Risikogruppen?

Und schließlich: Haben alle verstanden, dass das Tragen von Masken, regelmäßiges Händewaschen, Abstandhalten sowie die Einschränkung persönlicher Kontakte auch weiter notwendig ist?

Wenn sich all diese Fragen mit einem Ja beantwortet lassen, dann wird Österreich nach einem ganz gut geglückten Shutdown auch wieder relativ erschütterungsfrei hochfahren können.

In den kommenden Wochen und Monaten ist eine klarsichtige Risikoabwägung notwendig. Und nach der ersten Notfallphase, in der eindeutig die Virologen, Immunologen, Epidemiologen und Mediziner den Ton angaben, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Debatte wieder zu verbreitern.

Nun schlägt die Stunde der permanenten Güterabwägung. Dazu braucht es breite Debatten und einen möglichst transparenten Umgang mit jenen Daten und Fakten, auf deren Basis die Politik Entscheidungen trifft. Denn eines ist gewiss: Politik besteht in den kommenden Monaten aus der Wahl des kleineren Übels.