Zahlen und Befürchtungen zum Tag der Arbeit 2020: 1,1 Millionen Menschen von insgesamt rund 3,8 Millionen unselbständig Beschäftigten sind bereits in Kurzarbeit; und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Wochen der ungeheuerlichen Marke von einer Million nähert. Und dies nur im kleinen Österreich mit seinen nicht ganz neun Millionen Menschen.

Die Lage in vielen anderen Staaten schaut noch viel düsterer aus; als Daumenregel gilt dabei: je ärmer, desto dramatischer die Situation. Drei Viertel der insgesamt rund zwei Milliarden Menschen, die lediglich einer irregulären - und damit höchst prekären - Beschäftigung nachgehen, könnten als Folge der Corona-Pandemie ihren Job verlieren, befürchtet die Internationale Arbeitsorganisation. Diese Krise könnte eine ökonomische Vernichtungskraft entwickeln, die - und das ist die größte Gefahr - womöglich noch lange nachwirken wird, wenn längst eine Impfung gegen das Virus gefunden wurde.

Zu den Eigenwilligkeiten des Coronavirus zählt dabei nicht nur, dass sie die Sozialdemokratie in einem Moment und an einem Tag wie dem 1. Mai, wo sie eigentlich öffentlich Flagge zeigen will, in die virtuelle Welt verbannt; zu diesen Eigenwilligkeiten zählt auch, dass das Virus nicht nur zwischen Erfolgreichen und Erfolglosen keinen Unterschied macht, sondern auch in Bezug auf den Interessengegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Folgen der ökonomischen Schockstarre treffen diese wie jene; Unterschiede lassen sich allenfalls nach Branchen und individuellen Bedingungen feststellen, nicht aber im Hinblick auf die in der Ökonomie oft kategorische Differenz zwischen Arbeitskraft und Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel.

Dass diese Trennung im Alltag der allermeisten Unternehmen nur eine theoretische, aber keine praktische ist, darauf baut die Idee der Sozialpartnerschaft auf. Für den Moment hängen alle so hilf- und wie schuldlos am Tropf der öffentlichen Hand. Aber ob sich in ein paar Monaten oder Jahren auch noch Unternehmer erinnern werden an die Zeit, als sie nicht unternehmen konnten, obwohl sie doch wollten? Denn eigentlich ist dieses Gefühl der Untätigkeit Menschen auf Arbeitssuche zu eigen.

Spätestens, wenn es daran geht, dass die Politik gezielte Anreize zur Konjunkturbelebung setzt - wen entlasten, was fördern, wen höher besteuern? -, wird es mit diesem Gemeinschaftsgefühl wieder vorbei sein. Und dann werden auch die klassischen Interessengegensätze wieder klarer einander gegenüberstehen.